Review: Tash Neal “Charge it to the Game”

Review: Tash Neal “Charge it to the Game”

Das bestgehütete Geheimnis von New York City nennt man die 2008 entstandene Formation The London Souls, die aus Tash Neal (git/voc) und Chris St. Hilaire (dr/voc) besteht. Sie haben sich dem Classic Rock verschrieben, wie er auch von Cream zelebriert worden ist, dem Blues Rock wie Led Zeppelin, und auch Elemente von Beatbands wie den Beatles eingebaut. Sie haben hochgelobte Alben veröffentlicht und beispielsweise The Black Crowes, Lenny Kravitz und die Tedeschi Blues Band auf Tour unterstützt. Klang alles reichlich perfekt. Und dann änderte sich kurz vor der Veröffentlichung des 2015er Albums  Here Come the Girls alles, als Tash einen folgenschweren und fast tödlichen Verkehrsunfall erlitt, der ihn lange Zeit aus der Bahn warf und der es auch offen ließ, ob er überhaupt würde weiter Musik machen können. Jedoch kämpfte er sich wieder zurück ins Leben und auf die Bühne. Die Gedanken und Gefühle seiner Auszeit sind in sein nun am 12. Januar erschienenem Soloalbum Charge it to the Game geflossen.

SKULL NEWS hat es für euch angehört und beleuchtet einige Songs näher.

Tracklist Tash Neal Charge it to the Game 12. Januar 2021 (Black Hill Records)

01 – Something ain’t right

02 – Like a Glove

03 – Boomerang

04 – All I see is Blood

05 – Charge it to the Game

06 – Catching up

07 – My one Mistake

08 – Finding your Way

09 – Just a little Bit

10 -Click it Up

11 – Bye Bye Bones

Credits: Alle Songs wurden von Tash Neal geschrieben und produziert, außer “Like A Glove” und “Catching Up“, die von Dan Auerbach produziert worden sind.

Der Auftakt wird mit der ersten Single “Something ain’t right” gestaltet, dessen dazugehöriges Video bereits im November 2020 erschienen ist und wo die Botschaft mit eindringlichen Bildern zu Rassenunruhen, Lynchmorden, Ungleichbehandlung, Black Lives Matter-Demos etc. untermalt wird. “Another dead in the night“, ein weiterer Todesfall, und weiter, “Thought you treat it like a chore, our lives matter just like yours, if you feel me someone testify“, heißt es im Refrain. Ein einziger Aufschrei, um den People of Colour endlich Gerechtigkeit angedeihen zu lassen. Hierbei legt er ein gehöriges, fast atemloses Tempo vor. Initialzündung für diesen Song war die Erschießung des 32jährigen Philando Castile durch einen Polizisten. “Wir konnten sozusagen zuschauen, wie er vom Staat ermordet wurde,” sagt Tash.

“And these things kept happening—Ahmaud Arbery…Breonna Taylor…George Floyd being choked to death for almost nine minutes straight…I was pissed and I was sick of it. And I didn’t want to write a ‘come together’ song. Because we cannot come together on issues like evil.”

Entspannt und in fast kindlicher Fröhlichkeit, mit marschmusikartigen Drums und Glockenspielakzenten, schließt sich “Like a Glove” an, das sofort zum Mitgrooven einlädt und gute Laune verbreitet. Ein einfaches, aber umso herzerfrischenderes Liebeslied – du paßt mir wie angegossen, wer hört das nicht gerne? “Boomerang” bedient dann inhaltlich die “Es ist kompliziert”-Rubrik, musikalisch gehen dezente Streicher-Elemente und eine satte Orgel zwischen fetten Gitarrenlicks zu einem kleinen Schlenker in die psychedelische Ecke.

Der vierte Track des Albums, “All I see is Blood”

Tash wurde zu “All I see is Blood” von seinem eigenen Unfall inspiriert, nachdem er wieder aus dem Koma erwachte und zunächst das getrocknete Blut in seiner Hornhaut seinen Blick trübte. Hierzu schuf Liz Hirsch ein Lyric-Video im Dokustil zu Tashs Unfall und Rekonvaleszenz-Phase, indem sie Zeitungsausschnitte, Bilder aus dem Krankenhaus und andere persönliche Quellen verwendete. Kurz sind auch Polizeisirenen zu hören. Eine solide Rocknummer, bei der man die analogen Röhrenverstärker regelrecht riechen kann.

Catching up” verbindet auf sehr geniale Weise Funk/Reggae Gitarrenlicks mit spacigen Synthi-Akzenten mit einem kleinen Sparkle “Master Blaster“, “My One Mistake” ist eine herrliche Funk-Disco-Nummer mit sehr viel Groove, “Just a little bit” ist ein Summer Night City-Soundtrack, wenn in derselben der laue Abendwind durchs offene Fenster weht und über die nackte Haut streichelt – rhythmisch und sinnlich. Und “Bye Bye Bones” bietet zum Abschluß noch eine wilde Fahrt im Kettenkarussell mit einem sehnsuchtsvollen Gitarrensolo… Und schon drücken wir wieder auf “Repeat”:

Tash Neal wirkt fast wie aus der Zeit gefallen; ihm gelingen eingängige Kompositionen mit Ohrwurmqualitäten, die wunderbar retro sind und sehr an den warmen Sound der 1970er Jahre erinnern – dominierende Soul- und Funk-Elemente, ein ganz klein wenig Disco, Bluesrock, dennoch sehr frisch und modern. Der Vergleich mit Lenny Kravitz liegt nahe, er ist bei weitem aber nicht als Imitat zu bezeichnen, sondern prägt seinen ureigenen Stil. Charge it to the Game ist ein rundum gelungenes Debütalbum, das sich bei jedem Durchgang mit neuen Facetten in die Gehörgänge brennt. Die Songs gerieren sich mitunter roh und sinnlich, wirken nicht überproduziert, sondern wie auf der Clubbühne mitgeschnitten. Wir freuen uns schon mächtig, Tash Neal hoffentlich bald in Europa begrüßen zu dürfen!

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