Review: SWALLOW THE SUN – 20 Years of Gloom, Beauty and Despair – Live in Helsinki

Review: SWALLOW THE SUN – 20 Years of Gloom, Beauty and Despair – Live in Helsinki

Swallow The Sun (Fotograf*in: Jussi Ratilainen)

Am 26. Februar 2020, also kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie, feierte die finnische Doom Metal Band Swallow The Sun ihr 20-jähriges Jubiläum mit einem großartigen Konzert im legendären Tavastia Club in Helsinki. Auf der 18 Lieder langen Setlist dieses allerersten Live-Albums der Band stehen die besten Songs der zehn Alben umfassenden Diskographie, wobei diese in zwei unterschiedlichen Sets präsentiert werden. Das erste Set umfasst acht Lieder und ist komplett akustisch und mit einem Streicherquartett performt worden. Swallow The Sun bringen so auf besondere Weise die eher zarteren Schwingungen und die einzigartige Melancholie ihrer Musik zum Ausdruck. Gespenstisch schön, vor Allem getragen durch die emotionale, traurige Stimme von Frontmann Mikko Honkonen.

Die Streicher, die Sängerinnen im Hintergrund und kristallklar klingenden Akustikgitarren zaubern eine Klanglandschaft, die uns an eiskalte, verschneite Winter denken lässt – Swallow The Sun tragen mit ihrer Musik stark zum Image finnischer Metalbands und zur Sehnsucht nach dem hohen Norden bei.  Besonders stechen „Pray For The Winds To Come“ und „Before the Summer Dies“ heraus, wo auch Schlagzeuger Juuso Raatikainen mit fast jazzigen Beckenakzenten und sachte gesetzten Bassschlägen und einzelnen, knackigen Snarerolls brillieren kann.

Im zweiten Set des Jubiläumskonzertes präsentieren sich Swallow The Sun von ihrer gewohnten heavieren Seite und beweisen wieder einmal, warum sie zu den besten Doom Metal Bands gehören. Für die Zusammenstellung der Setlist für Teil zwei durften vorab die Fans ihre Favoriten wählen. Sie entschieden sich für einige der am meisten gespielten Songs wie „Swallow“ und „Cathedral Walls“, sowie für einige wahre Raritäten, darunter „Empires of Loneliness“, „Here on the Black Earth“ und „Empires of Loneliness“. Für diesen zweiten Teil geht es gewohnt doomig und rauh zur Sache, und der Querschnitt durch die Diskographie zeigt, wie Swallow The Sun, welche in ihrer 20-jährigen Geschichte weit über 800 Shows gespielt haben, als Gruppe eng zusammengewachsen sind und ihren spezifischen, melancholischen und dennoch hoffnungsschimmernden Sound entwickelt haben. Sie ergehen sich in Liedern wie „Lost and Catatonic“ und „Empires of Loneliness“ in Schmerz und Verzweiflung in einer kathartischen Weise, dass es fast schon lustvoll ist. Wie Sonnenstrahlen, die immer wieder einen grauen, wolkenreichen Sturmhimmel auseinandertreiben, verleihen die klaren, hohen Gesangsparts von Mikko und eingeladenen Sängerinnen und Gitarrenmelodien den düsteren Soundteppich. Der Fan-Liebling „Cathedral Walls“ ist auf dem Album zusammen mit Ex-Nightwish-Sängerin Annette Olzon aufgenommen worden, deren liebliche Stimme bei der Liveperformance leider vom Band kommt. Schade!

Ein Highlight ist für mich „Plague of Butterflies“ (Part II), was man wirklich nicht so oft von Swallow The Sun live geboten bekommt. 13 Jahre hat der Song schon auf dem Buckel und in dieser neuen Liveversion kommt gut raus, wie sich die Band in der Zwischenzeit entwickelt hat. Seit Veröffentlichung ihrer überlangen EP mit demselben Titel, welche ein einziges, 34 Minuten langes Opus in mehreren Teilen trägt, hat sich nicht nur Mikkos Gesang deutlich verbessert, seine Stimme ist kräftiger und ausdrucksvoller geworden, sondern auch die Instrumente werden fetter arrangiert und abgemischt. Schön, diesen Teil des großen Meisterwerks, was bis heute die EP darstellt, in einer aktualisierten Liveversion genießen zu dürfen. Doch auch im epischen elfminütigen Track „The Giant“ demonstrieren Swallow The Sun ihr innovatives, kunstvolles Songwriting. Vom Chartstürmer-Album When a Shadow Is Forced into the Light von 2019 haben die Fans die Lieder “Stone Wings” und “Here on the Black Earth” in die Setlist gewählt, zurecht zwei Lieblinge von der Scheibe. „Stone Wings“ ist so schleppend wie spannungsvoll, langsam baut die Band die Intensität auf, reizen aus, wie viel Agitatio wir aushalten, lassen das Ende bewusst in der Schwebe. Ein Stilelement, mit dem Swallow The Sun gerne spielen. Der Applaus und die Rufe des Publikums, sowie einige wenige Ansagen, durchbrechen die drückende Schwere – es gefällt mir ausgesprochen gut, dass auf diesem Live-Album die Atmosphäre des Clubs zu spüren und zu hören ist, immerhin geht es darum, abzubilden, welche Stimmung auf einem Swallow The Sun Konzert herrscht. Das ungewöhnliche – und wahrscheinlich sobald nicht wiederholte – Konzept aus akustischem Set und darauffolgenden normalen Metal-Set funktioniert wunderbar. 20 Years of Gloom, Beauty and Despair – Live in Helsinki ist ein rundes Album, welches einen schönen Querschnitt aus 20 Jahren gemeinsamer Musik widerspiegelt. Eine SKULL NEWS Empfehlung für Leute, die sich gerne in doomigen Gefühlswelten verlieren und natürlich ein Muss für Fans von Swallow The Sun.

Swallow The Sun 20 Years of Gloom, Beauty and Despair

Tracklist: Swallow The Sun 20 Years of Gloom, Beauty and Despair – Live in Helsinki (30. Juli 2021, Century Media)

CD 1

01 – The Womb Of Winter

02 – The Heart Of A Cold White Land

03 – Away

04 – Pray For The Winds To Come

05 – Songs From The North

06 – 66’’50’N, 28’’40’E

07 – Autumn Fire

08 – Before the Summer Dies

CD 2

01 – Lost and Catatonic

02 – Empires of Loneliness

03 – Falling World

04 – Cathedral Walls

05 – Plague of Butterflies

06 – Don’t Fall Asleep

07 – Stone Wings

08 – The Giant

09 – Swallow

10 – Here on the Black Earth

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