ROCKHARZ 2026 – Ein Erfahrungsbericht von zwei Erstbesuchern

ROCKHARZ 2026 – Ein Erfahrungsbericht von zwei Erstbesuchern

„Das ROCKHARZ ist wie ein Familientreffen”. Das sind die Worte, mit denen Freunde von uns (Stammbesucher) über das Ballenstedter Festival schwärmen. Wir sind dankbar, dass wir als Presseteam vor Ort sein können, um gute Musik zu genießen, das unglaubliche Feeling auf Metal-Festivals zu genießen und um uns natürlich von dieser Aussage selbst zu überzeugen. Die Headliner sind mit Helloween, Alice Cooper, Kreator und Feuerschwanz musikalisch vielfältig und von ganz alt bis ganz modern sehr passend gewählt. Das restliche Setup verbindet sehr smooth fast alle möglichen Untergenres und deren Unterkategorien miteinander und verspricht, mit viel Abwechslung die Mengen zu begeistern. Namhafte Bands wie P. O. D., Paradise Lost, Emperor, Doro, Knorkator, Subway To Sally, Hämatom oder Black Label Society werden die nächsten vier Tage den Ballenstedter Flughafen zum Beben bringen. Denkt ihr, dass wir uns als „Teil der Familie“ gefühlt haben? Lest den Beitrag und findet es heraus!

Bevor wir allerdings in den Text einsteigen, vergesst nicht einen Blick auf unsere Galerien zu werfen. Wir haben für euch viele schöne Bilder von den auftretenden Interpreten gemacht. Ihr findet sie unter den folgenden Verlinkungen:

ROCKHARZ 2026 – Tag 1 – Mittwoch
ROCKHARZ 2026 – Tag 2 – Donnerstag
ROCKHARZ 2026 – Tag 3 – Freitag
ROCKHARZ 2026 – Tag 4 – Samstag

Vorwort und ein kleiner Bericht zur Reise in den wunderschönen Harz

Ein bisschen Bammel hatten wir vor der Fahrt aus dem Südwesten Deutschlands. Wir kennen Autobahnen, vor allem unter der Woche, total überfüllt, staulastig und nervenaufreibend. Umso schöner war die Fahrt, als wir sehr smooth unserer Route entlang an Städten wie Würzburg, Schweinfurt und Erfurt eigentlich keinerlei größere Verkehrsprobleme haben. Die Autobahnen sind sogar recht leer.

Entspannt kommen wir also bei unserem Domizil im abgelegenen Örtchen Stangerode an. Nach dem sehr netten Empfang an der Ferienwohnung, werden wir den restlichen Tag damit verbringen, die Gegend ein wenig zu erkunden. Unser Weg führt zur einst mächtigen Burg Arnstein, von der leider nur noch eine Ruine übriggeblieben ist. Allerdings haben Burgruinen ihren ganz eigenen Charme, vor allem wenn sie offensichtlich ein etwas verwilderter Geheimtipp sind und nicht von Menschenmassen überrannt.

Nach einem kurzen Fotoshooting an der romantischen Ruine steht das Wichtigste an: Eine kleine Festivalbesprechung bei einem leckeren, deftigen Abendessen. Schön regional rustikal gibt es hierzu in einem netten Restaurant in Ballenstedt einen Klassiker aus der DDR-Küche: Steak au four und ein Glas Wein / Bier. Nachdem der Schlachtplan erstellt ist, geht der Weg zurück zum idyllischen Domizil – schließlich trennt uns nur noch ca. ein halber Tag vor dem Start des ROCKHARZ-Festivals 2026.

Mittwoch – Nasse Füße und ein warmes „Willkommen”

Das Wetter wirkt etwas instabil, als wir das erste Mal nach dem Aufwachen aus dem Fenster schauen. Wetterapp gecheckt, regnerisches Mischwetter ist angesagt. Da wir nicht aus Zucker sind, finden wir uns schnell mit diesem Umstand ab und bereiten uns entsprechend auf einen etwas feuchteren Tag vor.

Taschen gepackt, Arbeitsmaterial gesichert, Motivation mit einem großen Frühstück und Filterkaffee aufgeladen: Wir sind bereit für den Aufbruch! Nach ca. 20 Minuten Fahrt stehen wir in der gar nicht so langen Autoschlange, die sich in Richtung Festivalgelände gebildet hat. Ein wenig Ehrfurcht kommt beim Anblick der dichten Wolkendecke auf.

Es passiert das unausweichliche: Der Himmel öffnet seine Schleusen und tränkt das ROCKHARZ Gelände mit einem heftigen, gewittrigen Starkregen. Noch im Auto sitzend wird (zugegeben ein kleines bisschen hasenfüßig) der feuchte Erguss ausgesessen, bevor es zum Check-In mit unserem Ticket geht.

Schon beim Aussteigen merkt man, der Boden ist ordentlich getränkt worden. Das Erdreich ist aufgeweicht, stellenweise etwas schlammig und an einigen wenigen Plätzen sogar regelrecht in Zentimeter hohem Wasser getränkt. Schlecht ist, dass die Füße leider nicht ganz trocken bleiben – aber gut, dass wir nicht weinerlich sind. Als hartgesottene Männer machen uns feuchte Socken, dreckige Schuhe und ein bisschen verzierender Matsch an den Beinen nicht so viel aus. Im Spa wird für eine Schlammmaske viel Geld gezahlt, wir bekommen eine für umme.

Bevor wir mit dem anfangen, was wohl bei einem Metal Festival am wichtigsten ist, möchten wir unseren ersten Eindruck vom Festivalgelände vermitteln: Ein relativ großes Infield für die angekündigte Besuchermenge, die verspricht, dass auch bei den Headlinerauftritten genügend Luft zum Atmen an den hinteren und seitlichen Bereichen bleibt.

Ein hervorragender Blick auf die bekannte Zwillingsbühne (Rock Stage & Dark Stage), die schon beim ersten Blick andeutet, dass die Wechsel von Band zu Band schnell und ohne lange Pausen vonstattengehen werden. Während eine Band auf der einen Bühne spielt, wird auf der anderen bereits das Bühnenbild für die nächste aufgebaut.

An der hinteren Flanke und direkt beim Haupteingang vom Zeltplatz aus befinden sich festivaltypisch zahlreiche Getränke- und Essensangebote. Ein Eyecatcher ist der „Mutantenstadl”, eine Art metalesk angelegter, rustikaler Biergarten, der von einigen Essensbuden umgeben ist.

Die Shopping-Meile mit zahlreichen Verkaufsständen befindet sich genau gegenüber an der anderen Flanke der Zwillingsbühne. Auf dieser Seite befinden sich auch die Rolli-Tribüne sowie der VIP- / Pressebereich. Ins Auge fällt auch ein kleiner Playground, auf dem Festivalbesucher mit einem Ball eine Art Bierpong ohne Bier spielen können – also den Ball in möglichst viele Behälter, in diesem Fall weiße Tonnen, werfen.

Wir werden in den Introductions an den kommenden Tagen noch etwas genauer auf die einzelnen Bereiche des Festival-Infields und ein wenig auf das Gelände drum herum eingehen. Nun wird es aber Zeit uns dem wichtigsten Punkt zu widmen, oder? Die Musik beginnt am Mittwoch erst um 15:30 und damit freundlich für Besucher, die am ersten Tag noch anreisen. Wir schauen gespannt in Richtung Dark Stage, wo gleich die erste Band das ROCKHARZ eröffnen wird.

Heavysaurus

Wie gewöhnt man den Metal-Nachwuchs von ganz klein auf direkt an die Gegebenheiten, dem Style und die Atmosphäre, die auf einem Heavy Metal Konzert herrschen? Richtig! Mit Heavysaurus. Die „Dino-Metal” Band, die ihren Stil auch liebevoll als „Bubblegum-Metal“ bezeichnet, schreibt Kinderlieder im Heavy Metal Stil.

Das Erste, was unseren Augen auffällt, ist das eine große Gruppe Kinder, vermutlich aus umliegenden Schulen und Kindergärten, die vor dem Auftritt von Heavysaurus auf das Gelände geführt wird. In ihrem eigenen, eingezäunten Safe-Space an der linken Flanke der Dark Stage, haben die Kids einen perfekten Blick auf die Bühne und freuen sich sichtlich auf den Opener Act des ROCKHARZ 2026.

Heavysaurus erklären den Kleinen liebevoll, wie ein Heavy Metal Konzert funktioniert – interagieren sehr viel mit den kleinen und auch den „großen Kindern” rechts von der Bühne. Neben eigenen Songs spielen die Dinos einige bekannte Rock und Metal-Songs wie „We’re Not Gonna Take It” von Twisted Sister oder „Seven Nation Army” von The White Stripes an.

Mit auf den Weg gibt es gegen Ende des Sets eine wichtige und positive Botschaft für die Kiddies: Wir alle sind gleich, egal welche Hautfarbe wir haben oder wie groß wir sind. Das abseits der Kinder recht große Publikum unterstützt diese Message mit einem tosenden Applaus – das Fazit: Einer der liebevollsten Opener-Acts aller Zeiten.

Soulbound

Nachdem der wahrscheinlich coolste Schulausflug des Jahres für viele Kids auf der Dark Stage zuende geht, fängt innerhalb weniger Augenblicke später auf der Rock Stage das Blitzgewitter von Soulbound an. Die Bielefelder Band bewegt sich musikalisch zwischen Alternative Metal, Nu Metal und Metalcore mit elektronischen Elementen. In der Praxis klingt das wie eine lebendige Mischung aus Szenegrößen wie Motionless In White mit einem etwas dunkleren Touch à la Lord Of The Lost.

Das Wetter meint es nicht ganz so gut, weil zumindest in den hinteren Bereichen der Sound zwischenzeitlich durch den Wind etwas breiiger ankommt. Das Publikum ist allerdings von vorne bis hinten gut bei der Sache und würdigt die Musik ausgelassen und entspannt. Größere Pits sind, bis auf ein kleines Circle Pit im letzten Song nicht zu erkennen.

Müssten wir einen Lieblingssong von Soulbounds Set aussuchen, wäre das wohl „Saint Sinner” vom aktuellen Album „Syn”, welches mit seiner prägnanten Textzeile „Die sinner die!” nicht nur uns, sondern auch das Publikum sichtlich überzeugt.

Einen kleinen Sympathiebonus und gleichzeitig einen Beweis, dass auch die Interpreten auf der Bühne nur Menschen wie wir sind, liefert Sänger Johannes Stecker, als er ca. 10 Min vor Ende der Show „das letzte Lied” ankündigt und kurz darauf feststellt, dass die Zeit sogar noch für zwei Songs reicht. Er sagt dazu schmunzelnd „sowas ist uns wirklich noch nie passiert” – wirklich schön sympathisch verpeilt.

Harakiri For The Sky

Habt ihr schon einmal von Post-Black Metal gehört? Zugegeben, in der Rock- und Metalwelt gibt es unglaublich viele Untergenres und damit eine enorme Vielfalt an Stilrichtungen, die das unterschiedlichste Publikum anzieht – ein Hoch auf diejenigen, die alle davon ein Stück weit gleichermaßen genießen können. Harakiri For The Sky ist eine Band aus Österreich, welche jenes Genre (unserer Meinung nach) noch einmal hervorhebt.

Schon beim ersten Song wird klar, dass der Auftritt nicht nur melancholisch und atmosphärisch, sondern tatsächlich auch sehr emotional wird. HFTS machen Musik, die einem einfach unter die Haut geht. Die Themen der Songs bewegen sich durch die dunkelsten Episoden des Menschseins wie zum Beispiel Depressionen oder Suizid.

Im Vordergrund ist der, live übrigens perfekt etwas leidend, klagend ausgerichtete Kreischgesang des Sängers J. J. Untermalt wird seine Stimme von „downtuned” und sehr atmosphärischem Sound mit vielen ruhigen Passagen und Harmoniewechseln. Was alle Songs auch gemein haben, ist die Länge. Es ist schwer abschätzbar, aber wir glauben, keinen Song unter sieben Minuten aus dem Set herausgehört zu haben.

Die Musik wirkt trotz ihres stark melancholischen Schwungs und einigen typischen Black Metal Elementen deutlich leichter, entspannter und stellenweise schleppender. Dabei wird der Sound aber durchaus von modernen Elementen unterstrichen, die stellenweise an Metalcore erinnern. Viel Interaktion mit dem Publikum gibt es von der Band nicht, aber für die Art der Musik, die Atmosphäre und das Gesamtbild der Show ist das auch gar nicht notwendig – Applaus gibt es dennoch sehr viel.

Ensiferum

Anders sieht es bei den Folk Metal Größen von Ensiferum aus. Eine große Menge an Menschen versammelt sich vor der Dark Stage, um ausgelassen den Kopf zu schütteln, zu tanzen und vielleicht auch ein wenig zu moshen. Eine zugegeben etwas vorgegriffene Information ist, dass die größte Party beim Live-Lieblingshit „Lai Lai Hai” abgeht. Aber auch die Auftritte zum Closer der Show, „In My Sword I Trust”, werden von ausgiebigem Feiern untermalt.

Die Finnen um Leadsänger Petri Lindroos sind seit Mitte der 90er Jahre aktiv und zeigen ihre langjährige Bühnenerfahrung souverän während des ganzen 50-minütigen Sets. Was uns direkt auffällt ist, dass Ensiferum am frühen Mittwochabend die ersten Feierwilligen auf dem Rockharz zum Crowdsurfen inspirieren. Insgesamt ist die Laune im Publikum aber allgemein sehr ausgelassen und gut, auch in den hinteren Bereichen.

Paradise Lost

Harakiri For The Sky sollen nicht die einzige Band sein, die am Mittwoch mit melancholischer Musik punkten wollen. Paradise Lost, die britischen Dark Rocker mit Death Doom und Gothic Metal Wurzeln aus dem britischen Halifax bringen Lieder aus ihrem seit Ende der 80er Jahre andauerndem Werdegang auf die Rock Stage.

Sänger Nick Holmes weiß mit einer gut dosierten Prise britischer Trockenheit mit dem Publikum zu interagieren – besonders motiviert kündigt er „another song from the past, because we’ve got a lot of past” an, bevor die Band Klassiker um Klassiker anspielt. Zu jenen Classics zählen zum Beispiel das 1997er Lied „One Second”, „Hallowed Land” vom 1995er Album „Draconian Times” oder „As I Die” vom Album „Shades Of God” (1992). Letzteres ist nach Aussage von Sänger Holmes damals mit dem Gedanken, es für den Eurovision Song Contest als britischen Beitrag einzureichen geschrieben worden.

Ein Highlight, bei dem Hörer, die mit Paradise Losts Musikkatalog nicht so gut vertraut sind, staunen, ist das rhythmisch etwas vom melancholischen Sound abhebende Cover von Bronski Beats Song „Smalltown Boy” – seines Zeichens wohl eins der meistgecoverten Lieder aller Zeiten. Zum Ende des Sets haben die Briten meistteils Musik aus den 90ern und frühen 2000ern, aber sogar zwei Songs ihres aktuellen Albums „Ascension” (2025) performt und dabei durchweg ein gutes Live-Bild abgegeben. Ein wahrlich gelungener Auftritt.

Helloween

Die legendäre Power Metal Band Helloween ist der erste ROCKHARZ-Headliner am Mittwoch. Sage und schreibe zwei Stunden sind für das Set der 1984 gegründeten Formation aus dem hohen Noden Deutschlands in der Running Order vorgesehen. Insgesamt 15 Songs, ein ausschweifendes Drum Solo und einige Intros sollen diesen langen Slot füllen.

Eine kleine Besonderheit, die für eingefleischte Fans längst eine glückliche Realität ist, stellt das Line-Up der Band dar. In ihrem über 40-jährigen Bestehen haben sich insgesamt drei Frontmänner am Mikrofon abgewechselt und ihrerseits einige Alben der Hamburger geprägt. Im Jahr 2016 kam dann ein interessanter Move: Das Line-Up, damals mit dem dritten Sänger Andi Deris (seit 1994) wurde um seine beiden Vorgänger Kai Hansen (1984-1988) und Michael Kiske (1987-1993) erweitert. Mit nun allen drei Sängern kann die Band alle Äras ihres bisherigen Bestehens bestmöglich darstellen. Zwei gemeinsame Alben sind 2021 und 2025 mit allen drei Vokalisten entstanden – und haben große Charterfolge erzielt.

Der Zenit von Helloween war somit nicht in der guten alten Zeit, sondern ist genau jetzt. Das merkt man nicht nur an dem riesigen Andrang vor der Rock Stage, sondern auch an der Power, die alle drei Sänger von der Bühne aus auf das Publikum übertragen. Es schallen Hymnen wie „Future World”, zwei Songs vom Erstlingswerk „Walls Of Jericho” (1985) und Songs vom aktuellen Album „Giants & Monsters” (2025) von der Bühne. Der Fokus des Auftritts liegt aber zweifelsohne bei den legendären 80er-Jahre Alben „Keeper Of The Seven Keys (Part I und II)” – zum Beispiel auch der 13-einhalb Minuten lange Titeltrack beider Alben.

Neben guter Publikumsinteraktion, stimmgenauer Performance und viel schnell gespieltem Metal auf der Bühne fallen Helloween durch den Einsatz von Pyrotechnik, von großen Bildschirmen übertragene Szenerien und allerlei Spielereien für das Publikum auf: Luftschlangen oder große Wasserballons im Jack-O-Lantern Stil, die die Menge umherwirft. Die Musik ist gut, die Stimmung ist fantastisch und die Show straight, aber theatralisch untermalt – ein sehr guter Headliner-Auftritt, der Lust auf mehr von Helloween macht. Ein Fun Fact zum Schluss: Helloween sind nach eigener Aussage das erste Mal auf dem ROCKHARZ-Festival zu Besuch. Wir glauben aber, das letzte Mal wird es nicht gewesen sein.

Donnerstag – Mit hoher Windgeschwindigkeit ins Moshpit

Der Donnerstag scheint wettermäßig deutlich freundlicher zu beginnen. Die Sonne scheint, die schlammigen Bereiche des Vortags sind weitestgehend getrocknet und die Temperaturen sind angenehm. Das einzige Manko: Der starke Wind. Je nachdem, wo man sich auf dem Gelände aufhält, kann einem der Wind ein wenig die Stimmung versalzen. Starke Windböen haben nämlich den Effekt, gerne mal den ein oder anderen Ton aus Richtung der Bühne zu schlucken. Die Tontechniker leisten aber eine gute Arbeit und schaffen es, diesen Effekt zu minimieren.

Nachdem wir am Mittwoch das Festival erst einmal kennengelernt haben, trauen wir uns heute ein wenig mehr. So versuchen wir uns beispielsweise am kulinarischen Angebot des ROCKHARZ. Zunächst loben wir die extrem leckeren Pommes, die uns Möto im VIP- / Pressebereich serviert. Bei Möto handelt es sich um einen Biergarten, mehr noch einen kulturellen Treffpunkt aus dem unmittelbaren Umland des Festivals. Zufälligerweise ist uns bei der Hinfahrt von Ferienwohnung zum Festival der liebevoll gestaltete Biergarten mit Foodtruck, Partykeller und Lichterketten vor der Kulisse einer verlassenen Fabrik bereits aufgefallen. Serviert werden neben den guten Pommes auch deliziöse Burger und Bratwürste.

Im restlichen Infield werden wir über die nächsten Tage hinweg weitere Köstlichkeiten probieren. Darunter zum Beispiel einen leckeren Käsedöner, Handbrot mit Schinken-Käse-Füllung, Flammkuchen und Dumplings. Die kulinarische Vielfalt ist jedenfalls umfangreich und bietet für jeden Geschmack die passende Mahlzeit, während auf den Bühnen fast unentwegt die Bands ihre Musik präsentieren.

Die Shopping Meile, bietet allerlei Mode für den durchschnittlichen Metal-Fan: Merchandise, CDs + Vinyls, lustige Hüte und Accessoires. Große Händler wie Impericon haben ein recht großes Zelt mit Merchandise-Produkten. Besonders cool ist die riesige Musikbörse, bei der es tausende CDs und Vinyls zum Stöbern gibt. Sowohl Neuware als auch günstige, gebrauchte Tonträger können hier erworben werden. Auf dem ersten Präsentiertisch, den man sieht, liegen die Alben der auftretenden Bands.

Bevor wir zur Musik kommen, wenden wir uns dem Festival-Merchandise zu. Wir finden es wirklich toll, dass es noch günstige Festivalshirts gibt. Wir leben in einer Zeit, in der ein offizielles T-Shirt vom Festival im Schnitt 45-50 € kostet. Auf dem ROCKHARZ fangen die Preise für Festivalshirts bei 25 € an und bleiben im Schnitt bei 30 €. Longsleeves, Hoodies und Co. sind natürlich ein wenig teurer. Die Preisgestaltung ist allerdings sehr kundenfreundlich und dort angesiedelt, wo andere Festivals preistechnisch vor etwa zehn Jahren waren. Heißt, auch Besucher mit einem eher kleinen Geldbeutel haben die Chance, ein Andenken für kleines Geld mit nach Hause zu nehmen. Die Qualität der Shirts? Zumindest unsere beiden, einmal in schwarz mit zwei grünen Hirschen und einmal weiß mit roten Elementen, fühlen sich hochwertig an und sind sehr bequem.

So, genug gefuttert und geshoppt, jetzt wird es Zeit für Musik. Nachdem der Mittwoch schon ein vielversprechender Start war, soll der Donnerstag noch eine ganze Schippe drauflegen. Let’s dive into this!

Final Cry

Nachdem am Mittwoch Heavysaurus für einen schier spielerischen Einstieg in das ROCKHARZ-Festival gesorgt haben, beginnt der Donnerstag deutlich rauer. Final Cry bringen eine gute Mischung aus Thrash Metal und Death Metal auf die Dark Stage. Das Publikum ist noch etwas gediegen, aber willig für die Aufwärmphase des noch (musikalisch gesehen) sehr feurigen Tages.

Sänger Eiko Truckenbrodt gibt sich in der Interaktion mit dem Publikum herzlich und sympathisch, ein schöner Kontrast zur schwermetallischen Musik des Openers, der zum ersten Mal auf dem ROCKHARZ auftritt. Mit einem Schmunzeln gesteht er: „Langsame Songs können wir nicht gut”. Klar kommuniziert gibt es so ein Set aus sieben Songs, welche allesamt das Infield früh am Tag schon gut zum Beben bringen. Das Highlight? Wie so oft der Abchluss des Sets: „Walk With The Dead”, ein Song des fünften Albums „Zombique” (2018) der bereits 1989 gegründeten Weserbergländer Band.

Die Habenichtse

Deutlich entspannter, mit schön ausgelassenem Mittelalter Rock geht es auf der Rock Stage weiter. Die Habenichtse bringen ihr Bandmotto „Feiere das Leben, nimm mit, was du kannst und vagabundier dich durchs Leben“ mit und sorgen für gute, lockere Laune beim zunehmenden Publikum an den Zwillingsbühnen. Die Band, die teils aus NRW und aus Niedersachsen kommt, hat das Publikum dabei direkt im Griff und leitet mit ihrer lockeren Art sehr schnell die Stimmung.

Als Highlight stellt sich das sehr vielsagende Trinklied „Schorle” vom 2024er Album „Schmierentheater” heraus. Nicht nur, dass das Publikum das namensgebende Weingetränk lauthals mitgrölt, sondern auch, wegen einer kleinen Besonderheit: Der Schorle-of-death. Das Publikum soll sich schier biblisch animiert in Wasser und Wein aufteilen und sinnbildlich die Schorle mischen, als die Band das „Go” dazu gibt. Dabei im Fokus steht primär nicht mal das Schubsen und moshen, sondern eher das aufeinander zutanzen. Eine sehr liebliche Auslegung einer Metal-Tradition, die bei härteren Bands dann doch eher feinherb bis halb-trocken ausfällt.

Mittel Alta

Locker und alkoholisch können nicht nur die Habenichtse, auch bei Mittel Alta, einem für das ROCKHARZ interessant gewählten Act, steht ausgelassenes Feiern im Fokus. Allerdings unterscheidet sich die Musikrichtung trotz des gemeinsamen, mittelalterlichen Konzepts doch sehr stark. Mittel Alta sind eine Band, die Folk und Mittelalter mit den musikalischen Elementen von Bands wie The Butcher Sisters und Electric Callboy kombiniert. Dabei heraus kommen mittelalterlich anmutende Songs in entsprechender Sprachgebung mit Rap, Hip Hop, Metal oder Pop-Einlagen.

Das ROCKHARZ-Publikum? Nimmt die Musik bedingungslos an – ein wirklich sehr schönes Bild! Die Band rund um die zugegeben etwas obszön benannten Sängern Sir Schwanzelot und Gernhard Reinlunzen animiert überdurchschnittlich viele Crowdsurfer aktiv zu werden und weiß mit komödiantischen Übergängen ihre Setlist zu einer ganzheitlichen Story zusammenzusetzen.

So geht es sinnbildlich von „Auf Dem Dorffest” über den „Gelben Schein” (mit großer als Fahne getarnter Krankmeldung) hin zum makaberen „Der Chef Ist Tot” (mit einem abgetrennten Kopf im Arm). An Requisiten, die sinnbildlich die Gute-Laune-Musik der Jungs untermalt, mangelt es also nicht. Das beste Lied des Auftritts ist aber wohl der Ohrwurm „Ficket Euch”, der für viele hochgehaltene Mittelfinger im Publikum sorgt. Ein toller Auftritt, der ein wenig Abwechslung in das metallische Programm des ROCKHARZ bringt – bravo Mittel Alta!

Stahlmann

Ein wenig Neue Deutsche Härte darf bei keinem guten Festival fehlen, oder? Für das ROCKHARZ 2026 wird dieses Genre unter anderem von Stahlmann bedient. Die Göttinger Band um Sänger Martin Soer ist bekannt für ihre ausschweifenden Shows, die sie selbst auf den nicht so langen Slots auf den Festivalbühnen vorführen.

So ist die Stagetime von Stahlmann nicht nur ein Schmaus für die Ohren, sondern auch für die Augen. Tänzerinnen, die Fahnen schwingen und theatralisch die Musik unterstreichen, passend eingesetzte Pyro-Effekte und insgesamt eine gute Bühnenshow sind ein Qualitätsmerkmal, welches eine Stahlmann-Show immer zu einem kleinen Highlight im Gesamten macht. Wir empfehlen eindringlich, sich den Auftritt der NDH-Jungs anzuschauen, wenn sie in einem Festival Line-up auftauchen – die Zeit ist definitiv gut angelegt.

Sagenbringer

Deutschsprachigen Folk Metal verbindet man gerne mit den alten Werken von Equilibrium. Jene haben ihren Sound in den letzten Jahren aber einem etwas moderneren Klangbild zugewendet und die Folkelemente dezenter und vor allem elektronischer mit in die Musik einfließen lassen. Glücklicherweise gibt es für Fans des klassischen Sounds eine Band, die eine gute Alternative darstellt: Sagenbringer.

Die Folker aus dem hohen Norden, der nach einer etwas mahnend klingenden Ansprache des Sängers „verschwindenden Insel Sylt”, widmet sich in ihren Texten allerlei mythologischen Themen, schweift allerdings auch gerne in die Fantasy Welt ab – ein gutes Beispiel dafür ist eines der aktuellsten Lieder namens „Reiter Rohans”, welches thematisch an Tolkiens Universum angesiedelt ist.

Schon am Anfang überzeugen Sagenbringer jeden Fan von theatralischen Akzenten mit einem erzählerischen Intro, welches in einen schnellen, kompromisslosen Folk Metal Sturm übergeht. Hervorzuheben ist das Lied „Berserker”, bei dem live ein Gast auf der Bühne ist: Tim „Tetzel” Schmidt, Sänger der Band Asenblut. Auch bei der Studioversion leiht der Asenblut-Sänger dem Lied sein Organ.

Dogma

Man nehme den Sound (und auch ein wenig das Konzept) der schwedischen Hard Rock / Heavy Metal Band Ghost und tausche die Männer in Priester-Outfits gegen Damen im kurzen Nonnen-Gewand aus. Das Ergebnis ist Dogma, eine Band aus Südamerika, die bekannt für ihr live sehr aufreizendes Auftreten ist – ein Fakt, den sicher das ein oder andere Männerherz hat höherschlagen lassen.

Die Damen wissen genau, wie sie posieren müssen, um beim Publikum zu polarisieren. Die Musik ist dabei nicht zu verachten. Mit einer kräftigen Stimme und einer Portion Eleganz weiß Sängerin Lilith, bürgerlich Grace Jane Pasturini, das Publikum zu bezirzen – zum Beispiel bei den Songs „Father I Have Sinned”, „Pleasure From Pain” oder bei dem sehr melodischen Cover von Madonnas „Like A Prayer”.

Abseits der Songs weiß Pasturini mit Sympathie zu punkten – und das Publikum mit ihrem gebrochenen Deutsch zum Schmunzeln zu bringen. Selbstreflektierend gesteht sie sich gegen Ende des 45-minütigen Sets ein: „Mein Deutsch ist scheiße!”. In diesem Sinne, vielleicht nicht perfekt, aber dafür vom Anfang bis zum Ende des Sets in unserer Heimatsprache durchgezogen. Den letzten Satz, den man von der Bühne vernimmt, ist sicher einem Übersetzungsfehler geschuldet: „ROCKHARZ du kleine Sau!” – ein (vielleicht) ungewollt humoristisch wertvoller Abschluss eines großartigen Sets.

Dominum

Die Nürnberger Band Dominum ist zwar erst 2022 gegründet worden, zählt aber bereits zu jenen Acts, die weit über den Opener-Slot eines Festivals hinausgewachsen sind. Innerhalb kurzer Zeit hat sich die Band um Sänger Felix Heldt, auf der Bühne Dr. Dead genannt, und seinen Zombies an den Instrumenten einen großen Namen gemacht und sicherlich noch eine viel glorreichere Zukunft vor sich.

Mit dabei haben Dominum Power Metal mit catchy Hooks, Gruselthemen und eine gut inszenierte, etwas exzentrisch aufgebaute Theatralik. Außerdem hat die Gruseltruppe neues Material vom einen Tag nach dem Auftritt erscheinenden neuen Album „Night Is Calling” mit im Gepäck. So kommt das Publikum nicht nur in den Genuss der Single „The Circus Is In Town”, sondern wird auch Zeuge eines bisher noch nicht veröffentlichten (und live gespielten) Titel namens „Doctor Doctor”.

An „alten” Bangern mangelt es jedoch nicht: „Hey Living People”, „Frankenstein” oder „The Dead Don’t Die” sind nicht nur auch nach wenigen Jahren schon Classics, sie sind vor allem Ohrwürmer, die große Mengen im Publikum zum Mitmachen und Mitsingen animieren. Dominum haben alles richtig gemacht und fahren auf der Erfolgsschiene – wir sind uns sicher, dass sie mittel- bis langfristig zu den großen Acts gehören werden.

P. S.: Mit dem Cover von Michael Jacksons 80er-Hit „Thriller” und dem vorhergehenden Aufruf des Sängers zum Crowdsurfen haben Dominum wohl die meisten Publikumsgleiter des Festivals animiert.

Alice Cooper

Ein großes Highlight, auf welches wir den ganzen Tag schon gespannt warten, ist die Performance einer wahren Legende: Alice Cooper betritt die Rock Stage und schafft es, mit 78 Jahren so manch Jüngerem zu zeigen, wie man im hohen Alter noch Stil und Power haben kann.

Mit dabei hat der US-amerikanische Ur-Schock-Rocker allerlei Stücke aus seinem sehr umfangreichen Musikrepertoire – in über 50 Jahren Bühnenerfahrung sammeln sich eben so einige Perlen. Highlights gibt es viele, aber die namhaftesten Songs, die von der ROCKHARZ Rock Stage schallen sind wohl „No More Mr. Nice Guy”, „I’m Eighteen” (auch wenn das wohl schon 60 Jahre her ist), „Hey Stoopid”, „Poison” und in einer extralangen Version inklusive Bandvorstellung gespielten Version: „School’s Out”. Letzteres ist bereits einem glorreichen Finale der Show würdig, wird aber noch einmal von einer wahrlich guten Cover-Version von Nirvanas „Smells Like Teen Spirit” getoppt – inklusive Widmung an Kurt Cobain.

Abseits der Musik weiß der Schock Rocker auch zu überzeugen. Das größte Lob geht an seine Bühnenpräsenz, welche einen schon schier in Ehrfurcht erstarren lässt. Er wechselt seine Outfits und benutzt zahlreiche Requisiten – zum Beispiel eine lebensgroße Frauenpuppe, welche mit einer Guillotine geköpft wird. Zahlreiche Effekte wie herumfliegende Luftschlangen und Motive auf großen Monitoren untermalen den ganzen Auftritt.

Das Fazit ist: Alice Cooper ist in die Jahre gekommen, wirkt aber voller Energie, motiviert und weiß auch mit fast 80 Jahren noch sehr gut, ein großes Publikum in seinen Bann zu ziehen. Dass er mit dem Publikum dabei zunächst nicht viel und erst gegen Ende mit einem energischen „Alice Cooper finally speaks to you” nicht viel interagiert, macht gar nicht viel aus. Es gehört zum Konzept – und das akzeptiert auch das Publikum kompromisslos. Er ist ein gut gealterter Rockstar, von den wir hoffen, ihn noch einmal sehen zu dürfen – ein grandioser Headliner-Auftritt auf dem ROCKHARZ 2026.

Hämatom

Den Abschluss am Donnerstag macht die Neue Deutsche Härte Band, die gerne auch Party à la Electric Callboy oder TBS macht: Hämatom. So manch einer mag die Musik auf den sehr grölenden Gesang von Sänger Thorsten „Nord” Scharf begrenzen, doch hinter Hämatoms Musik steht so viel mehr: Die musikalische Auseinandersetzung mit sozialkritischen Themen, verpackt in stimmungsvolle und einprägsame Musik.

Ein gutes Beispiel dafür sind die Songs „Gaga”, der Opener des Auftritts, „Wir Sind Gott”, „Ficken Unsren Kopf” und das Cover von Marterias „Kids (2 Finger An Den Kopf)”. Man sollte betonen, dass Hämatom nicht nur das enorme Partypotenzial ihrer Musik ausnutzen, sondern dies auch ohne das eigentliche Festival-Set-up schaffen. Wer die Band bereits auf einer Festivalbühne erleben durfte, weiß, dass viel Feuer, Funken und Effekte mit zum Konzept gehören. Aufgrund des starken Windes wurde die Show gerade in diesem Element aber dezent beschnitten. Wie reagiert das Publikum? Indem es gefühlt einfach doppelt so stark feiert. Zahlreiche Pits, springen, mitgrölen und eine aufgeladene Partyatmosphäre beherrschen die Menge vor der Dark Stage.

Hämatom liefern einen feurigen Abschluss für den ROCKHARZ-Donnerstag – und das mit sehr viel weniger Feuer als üblicherweise. Neben den oben bereits genannten Songs, die bereits allesamt Ohrwürmer sind, blieben uns die musikalischen Einspieler in Erinnerung – zum Beispiel „Cotton Eye Joe” von Rednex.

Freitag – Hawaii Hemden und ein fieser Ohrwurm

Woran erkennt man die Neulinge im Pressezelt? An der Tatsache, dass die „alten Hasen” fast geschlossen im Hawaii-Hemd auftauchen. Dabei handelt es sich wohl um eine Tradition, von der wir nichts gewusst haben. Nun, für das nächste Jahr werden wir uns das zumindest zu Herzen nehmen und uns entsprechend dem Mainstream folgend stylen.

Ging es beim Abschnitt zum Donnerstag etwas viel ums Essen? Ja, vielleicht. Widmen wir uns am Freitag etwas, dass auch abseits vom Festival gerne abends gemacht wird: Dem Trinken. Natürlich reden wir dabei nicht nur von Alkohol, unser Team, wohlwissend und pflichtbewusst, hat Alkohol nur in dezenten Dosen zu sich genommen. Ein Radler, Bier oder ein leckerer Cocktail ist dann aber doch in Ordnung. Long story short: Selten so einen leckeren Festival-Caipirinha getrunken.

Am Freitag gibt es auch am Abend eine kleine Pause vom Festivalgeschehen, als wir uns am „Mutantenstadl” mit einigen Bekannten verabreden und uns auch mal ein Weilchen ausgelassen unterhalten. Die Idee eines Biergartens, rechts von der Rock Stage gelegen, finden wir überdies fantastisch. Die Plätze sind zahlreich, stets gut belegt, aber dennoch immer mit genügend Kapazität, um noch einen Sitz zu ergattern. Die Wege zu Speis und Trank sind kurz.

Was nicht zu kurz kommt ist die Musik. Der „Mutantenstadl” liegt praktisch so, dass man das Programm auf der Rock Stage gut verfolgen kann – sowohl den Ton, als auch die Sicht. Wenn wir schon bei der Musik sind, können wir ja direkt auf die Acts des Freitags überleiten.

Rodeo 5000

Am Mittwoch gab es Kinderlieder zum Start des Tages. Am Donnerstag war es brachialer Thrash Metal. Der Freitag steht beim musikalischen Start für Ausgelassenheit, Humor und vor allem für den Ohrwurm der Woche. Rodeo 5000 sind ein Thrash-Country Duo und bringen somit waschechtes Hillbilly-Feeling auf die Bühne.

Die Musik wird mit einer enormen Lockerheit des Publikums gut angenommen und gefeiert. Auch bei einigen mit Augenzwinkern gemeinten Aufrufen wie „zieht euch alle aus – das ist Tradition auf einem Festival” vor dem Song „Splitternackt im Pickup Truck”. Abseits davon freuen wir uns über melodisches Square-Dance Feeling, Hillbilly Charme und viel Country Humor – und über unseren allumfänglichen Ohrwurm: Eine Coverversion von „Mein Stammbaum Ist Ein Kreis”. Selbst beim Schreiben dieser Review brennt sich die eingängige Melodie des Songs wieder ins Hirn.

Ein lockerer, humoristisch wertvoller Einstieg in den ROCKHARZ-Freitag. Rodeo 5000 besteht übrigens nicht aus unbeschriebenen Blättern. So manch einer mag die Singstimme als Mr. Hurley (Simon Erichsen) von der Piratenband Mr. Hurley & Die Pulveraffen erkannt haben.

Motorjesus

Motorjesus sind eine Band aus Mönchengladbach, die mit melodischem Hard Rock ihrem Namen mehr als gerecht werden. Die Musik passt perfekt auf die Playlist eines jeden Motorrad oder allgemein PS-Fans. Seit den frühen 90er-Jahren steht die Formation bereits auf der Bühne, das Debütalbum wurde allerdings erst 2004 released.

In diesen über 20 Jahren haben Motorjesus mit insgesamt acht Alben einiges an Musik gemacht, mit welcher sie in ihrem 30-minütigen Set die Rock Stage wackeln lassen. Das beste Lied ist unserer Meinung nach „Fist Of The Dragon” vom 2010er Album „Wheels Of Purgatory”. Checkt die Band ab, denn die Musik kann sich hören lassen und wird live sehr überzeugend präsentiert – ein guter Auftritt!

Cypecore

Rauch auf der Dark Stage. Cypecore betreten die Bühne – Sänger Dominic „Commander“ Christoph steht stillschweigend mit einem Bengalo auf der Bühne. Das Bild wirkt ein wenig anarchistisch, aber auch vorwarnend für das Gewitter, das gleich als Kombination aus Melodic Death Metal und Industrial über die Bühne ziehen wird. „We are the Alliance! ‚Cause we are one!” lautet eine prägnante Zeile im Opener-Song namens „The Alliance”.

Zuallererst: Das dystopische, elektronische Soundbild, das dank den Death Metal Parts mit harschen, aber auch cleanen Vocals eine wirklich interessante Mischung darstellt, kommt sehr gut an. Nicht nur bei uns, auch das Publikum ist fleißig dabei, die Mannheimer Band mit einer guten Stimmung für ihren Auftritt zu belohnen.

Die Band selbst macht dabei nicht viel direkte Interaktion mit dem Publikum, aber von der reinen Dramatik her unterschreibt das auch den dystopischen Musikstil hervorragend. Circle Pits und sogar eine Wall-of-Death ziehen wie ein Sturm durch das Infield. Wir finden, dass Cypecore eine der besten Performances des Tages abliefern – Wahnsinn!

Gothminister

Ebenfalls etwas elektronischer geht es bei der Stagetime von Gothminister zu. Die norwegische Band aus Oslo ist als Alternative Metal Formation auf dem Papier gelistet, erfreut sich aber in der Gothic-Szene großer Beliebtheit. Im Grunde mag das daran liegen, dass die Band viele Elemente der Neuen Deutschen Härte und des Elektro-Gothics übernimmt und geschickt in ihre Musik einflechtet.

Ein gutes Beispiel für diese interessante Mischung (und auch ein Highlight des Sets) ist das Lied „Monsters”, welches sich auf dem 2005er Album „Empire Of Dark Salvation” befindet und sichtlich vernehmbar auch zu den Publikumsfavoriten gehört. Ein Lob geht an Bjørn Alexander Brem, nach Künstlernamen auch der namensgebende „Gothminister”, dessen Gesang dem, was wir vom Album kennen, sehr nahekommt – eine Eigenschaft, die wir immer sehr löblich finden.

Rauhbein

Das größte Problem des Rauhbein Sängers Henry ist, dass er kein Bier zur Hand hat. Im Publikum unterdessen ist dieses zur Zeit der Show von 15:25 bis 16:10 schon in großer Menge geflossen. Es ist zudem ein interessanter Fakt, dass sobald ein Sänger auf der Bühne das Wort des goldenen Gerstensaftes nennt, tosender Jubel ausbricht.

Die hessischen Folk Rocker überzeugen unterdies mit ihrer klaren Linie. Mit „Steh wieder auf” (2022), „Herz eines Kriegers” (2023), „Adrenalin” (2024) und „Rebellen & Helden” (2026) hat die Band in knapp sieben Jahren Bandgeschichte schon ein beachtliches Repertoire an Liedern zusammengestellt, mit welcher sie das ROCKHARZ-Publikum entzücken können.

Walls Of Jericho

Einmal tief einatmen: Der wahrscheinlich aggressivste Auftritt des 2026er ROCKHARZ steht bevor. Kenner verbinden mit dem Namen der US-Amerikaner vor allem harte Breakdowns, markerschütternde Harsh-Vocals von Frontschreierin Candace Kucsulain und brachialen Metalcore – und genau das wird geliefert. Insgesamt 45 Minuten pure rage power!

Das Publikum geht, locker gesagt, richtig gut ab. Das vermutlich schnellste Circle Pit des Festivals, fleißig angeheizt durch Sängerin Kucsulain, den wohl besten Breakdown, den unsere Ohren vernehmen beim Song „No One Can Save You From Yourself” von 2016 und ein absolutes Rage-Pit Feeling.

Neben oben genanntem Song gefällt uns als Fan besonders die Performance des Liedes „Plastic”, einem 20 Jahre altem Klassiker der seit 1998 bestehenden Band aus Detroit, Michigan. Mit ihrer fast 30-jährigen Bandgeschichte gehören Walls Of Jericho übrigens zu den ältesten Metalcore Bands, die existieren und haben somit den Sound des Genres ein Stück weit geprägt.

Fiddler’s Green

„Yindy let me go, take me back to the streets I know… Yindy let me go, take me back to the flow”. Habt ihr nun einen Ohrwurm? Dann wisst ihr sicher, wie es uns bei Fiddler’s Greens Auftritt auf der Rock Stage geht. „Yindy” gesellt sich dabei sehr schnell zu bereits erwähnten Stammbaum-Song von Rodeo 5000 früher am Tag. Man muss allerdings schon sagen, die mit einer Prise Punk versehene Mischung aus Folk Rock mit irischer Inspiration funktioniert sehr gut.

Das Publikum ist ausgelassen, singt mit, tanzt, feiert, trinkt und hat einfach sichtlich Spaß, während die Erlanger Band während ihrer Stagetime einen Folk-Ohrwurm nach dem anderen spielt. Ein Aufruf zum Trinken, den Sänger Ralf „Albi“ Albers an das Publikum richtet, wird erstaunlicherweise nur mäßig angenommen. Nachdem er allerdings mit etwas Nachdruck fragt „Seid ihr bereit für ein Sauflied”, willigt das Publikum laut ein und es kann losgetrunken werden – Cheers!

Fiddler’s Green flicken mit ihrem Auftritt das zusammen, das Walls Of Jericho im Slot davor auseinandergenommen haben und sorgen für Feierstimmung – eine sehr gute Show, die nach mehr Irish Folk schreit.

Die Apokalyptischen Reiter

Zumindest ein wenig folkig wird es kurz darauf, als Die Apokalyptischen Reiter die Bühne betreten. Es ist schwer, die Weimarer Band in eine Schublade zu stecken oder ihren wilden Genremix zu definieren, denn irgendwie hat die Band um Leadsänger Daniel „Fuchs“ Täumel vom Empfinden her jedes Untergenre des Metals bereits einmal als Inspiration benutzt. Am ehesten findet man den Stil aber in einer experimentellen Mischung aus Death-, Folk- Power- und Symphonic Metal mit Anleihen der Neuen Deutschen Härte.

Auf der Setlist der Metal-Allrounder befinden sich beliebte Songs wie „Es Wird Schlimmer”, „Der Adler” und „Die Sonne Scheint” mit dem einprägsamen Refrain „Die Sonne scheint mir aus dem Arsch… und das ohne Unterlass… ich bin heut‘ all der Dinge Freund… heute träum ich nicht… heut leb‘ ich, leb‘, leb‘ ich was geträumt”. Fun Fact am Rande: Während exakt diesem Song bricht für kurze Zeit die Sonne durch die dichte Wolkendecke über dem Ballenstedter Flugplatz. Die Wettergötter sind der, umgangssprachlich „Reitern” genannten Band also hold.

Abseits der guten Stimmung hat der Auftritt von den Reitern eine hohe Publikumsdichte. Man sieht also, wer einer der favorisierten Acts der Menge am ROCKHARZ-Freitag ist. Wer die Band schon einmal live erlebt hat, weiß aber auch ganz genau, warum das so ist: Sie liefern wirklich jedes Mal ab und haben in ihrem breiten Musikrepertoire für fast jeden etwas mit dabei.

Biohazard

Seit den späten 80ern ist die Rap Metal / Crossover Truppe von Biohazard bereits auf den Bühnen der Welt unterwegs. Für das ROCKHARZ-Festival haben die Amerikaner aus NY-City einen weiten Weg auf sich genommen und eine gewaltige Ladung an aggressivem Oldschool Crossover dabei.

Die meisten Songs des Sets sind dabei tatsächlich gänzlich von der alten Schule und befinden sich auf dem ikonischen Album „Urban Discipline” von 1992 – zum Beispiel „Punishment”, „Shades Of Grey” oder der Titeltrack. Dieser Umstand lässt die Show von Biohazard sehr nostalgisch wirken, als würde man in der Zeit zurückreisen und einen der frühen Auftritte der Formation miterleben.

Sänger Billy Graziadei verleiht den Songs live einen besonders rohen, etwas krawalligen Anstrich. Auch seine Interaktion mit dem Publikum, welches er liebevoll als „Motherfuckers” bezeichnet, ist solide und eher rau – eben passend zur melodischen Grölmusik. Ein Zeichen gegen die aktuellen Entwicklungen auf der Welt, am ehesten wohl die Politik gemeint, erwähnt Graziadei mit Nachdruck. „we stand together! The world is crazy right now” – es ist die Ankündigung für ein neueres Stück der Band namens „Fuck The System”, zu finden auf dem neusten Album.

Bevor wir es vergessen: Einen kleinen Sympathiebonus für den ohnehin schon sehr guten Auftritt bekommen die Amis für ihr Intro („Gonna Fly Now” vom Rocky-Soundtrack) und Outro („No Sleep Till Brooklyn” von den Beastie Boys).

P. O. D.

Der Freitag steht allgemein im Zeichen der Publikumslieblinge. Neben den Reitern versammeln die Amerikaner P.O.D. aus San Diego, Kalifornien die meisten Leute vor den Zwillingsbühnen. Die legendäre 2000er Nu Metal Ära ist zwar vorbei, erlebt aber seit einigen Jahren ein erstaunlich erfolgreiches Comeback. Mit dabei ist die oftmals zu Unrecht als One-Hit-Wonder abgestempelte Band P.O.D., welche mit ihrem neuesten Album „Veritas” zu alter Stärke zurückgefunden hat. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb die US-Amerikaner nicht ausschließlich auf Nostalgie setzen, sondern ihr neustes Werk genauso umfassend wie ihr erfolgreichstes Werk „Satellite” von 2001 auf die Setlist packen. Beide Alben sind mit insgesamt vier Songs vertreten.

Okay, das Fanherz schlägt immer etwas höher, wenn die alten Songs kommen. Vom 2001er Album freuen wir uns über „Alive”, „Satellite”, „Boom” und den großen Welthit der Band „Youth Of The Nation”, welcher in einem wundervollen Chor von zehntausenden Kehlen lauthals mitgesungen wird.  Ein großes Lob geht vor allem an Sänger Sonny Sandoval, welcher das Publikum gut unter Kontrolle hat, fleißig anheizt und sich über das durchaus positive Feedback der Menge herzlich bedankt.

Eine wichtige Information ist mit einer kleinen Frage von Sonny verbunden. Er erzählt, dass P.O.D. in 35 Jahren Bandgeschichte das erste Mal auf dem ROCKHARZ-Festival auftreten – und fragt das Publikum kurzerhand, ob sie wieder kommen sollen. Nun, die Antwort ist sehr laut und ein eindeutiges „Ja!”. Auch wir würden uns freuen, wieder besten Nu Metal mit Rapeinlagen und Reggaeanleihen in Ballenstedt erleben zu dürfen – vielen Dank P.O.D. für den grandiosen Auftritt und bis zum nächsten Mal!

Subway To Sally

Besonderes. Die Band ist 2026 zum insgesamt siebten Mal mit von der Partie und sorgt, wie auch auf so ziemlich jedem anderen Festival, auf dem die Potsdamer Mittelalter Rocker / Folk Metaller auftreten, für gute Stimmung.

In ihren über 35 Jahren Bandgeschichte haben Subway To Sally eine beachtliche Menge an Musik gemacht, die sie sehr umfangreich am Freitag auf die Bühne bringen. Im Fokus stehen dabei die Alben „Nord Nord Ost” (2005), dem bekanntesten Album der Formation mit Songs wie „Sieben” und „Eisblumen” und das neuste Werk „Post Mortem”. Beide Alben stellen mit jeweils drei Songs die meisten Lieder.

Subway To Sally sind sich aber nicht zu scheu, auch ältere Werke in die Setlist einzuflechten. So kommen die Besucher der Performance in den Genuss von Liedern wie „Krähenfrass” vom 1995er Album „MVMXCV” und einigen weiteren 90er-Jahre Werken, die in zwei Medleys verwoben werden.

Zu loben ist nicht nur die Bühnenpräsenz von Sänger Eric Fish, sondern auch das Publikum, welches fleißig im energischen Austausch mit der Band steht. Beim Song „Eisblumen”, dem dritten Song im Set, singt das Publikum nach Beendigung des Liedes den gesamten Refrain als gigantischer Chor noch einmal nach – ein absoluter Gänsehautmoment!

Ein weiterer Pluspunkt geht an die Mittelalter Rocker, da sie es schaffen trotz fehlender oder nur spärlich eingesetzter Pyrotechnik nichts an Glamour zu verlieren. Ähnlich, wie bereits am Vortag ist der Wind kräftig und erschwert aus Sicherheitsgründen den Einsatz von Feuer, Funken und Co.

Die Potsdamer sind keine seltenen Gäste beim ROCKHARZ und auf anderen Festivalbühnen in Deutschland, aber man muss zugestehend sagen: Jeder einzelne Auftritt macht Spaß, auch wenn man die zahlreichen Hits, zu denen auch „Kleid Aus Rosen” oder „Veitstanz” gehören, schon dutzende Male live erlebt hat.

Kreator

Die Rock Stage gehört am späteren Abend ganz den legendären Essener Thrash Metallern von Kreator. Insgesamt 1,5 Stunden lang schallt es schnell, thrashig und feurig von der Bühne – feurig sogar im wörtlichen Sinne. Kreator können etwas mehr Feuer benutzen als die anderen Bands davor.

Schon beim Intro, Iron Maidens „Run To The Hills”, ist das Publikum Feuer und Flamme und singt fleißig mit. Entgegen dem aktuellen Trend fangen Kreator ihr Liveprogramm mit einem aktuellen Song an: „Seven Serpents” vom neusten Album „Krushers Of The World”, welches erst im Januar 2026 erschien. Das aktuelle Werk soll am Ende auch die meisten Songs zur Setlist beitragen – ein Beweis, dass Kreator nicht nur von den Klassikern leben, sondern auch ihre neuen Werke mit Herzblut fühlen.

An Nostalgie soll es dem Auftritt dennoch nicht mangeln. Schaut man sich die Setlist an, finden sich Songs aus fast allen Äras der Band schön breitgefächert und vielseitig gedacht – quasi ein Best Off aus über 40 Jahren Bandgeschichte. Sogar das Erstlingswerk „Endless Pain” von 1985 wird mit in die Performance integriert – in Form des Titeltracks.

Kreator gehören zu den Bands, bei denen seit Beginn an dieselbe Person den Ton am Mikro angibt: Frontmann Miland „Mille“ Petrozza, der mit seiner rauen Stimme den Songs Leben und Energie einhaucht. Unsere Favoriten sind übrigens unbedingt „Hail To The Hordes”, „Pleasure To Kill” vom gleichnamigen 1986er Album und „Tränenpalast“ vom aktuellen Album, welches live mit Cripper-Frontfrau Britta Görtz dargeboten wird. Auf der Studioversion leiht sie dem Song als Gastsängerin ebenfalls ihre Stimme.

Das Fazit ist schnell gezogen: Kreator haben die Bühne für sich eingenommen und einen astreinen Headliner-Auftritt abgeliefert. Schaut man in der Geschichte des Festivals zurück, auch nicht zum ersten Mal.

Samstag – Ein Abschied mit Feuer, Funken und Feuerwerk

Der Start in den Tag ist wehmütig, der Körper merkt eben auch, wenn man erst in seinen 30ern oder 40ern ist, dass schon drei Tage Festival hinter einem liegen. Der Tag verspricht ohnehin noch anstrengend zu werden – es stehen uns etwa 450 Kilometer Heimfahrt bevor, sobald der letzte Act sein Set vollendet hat.  Morgens haben wir bereits unser Auto gepackt, unser Tagesgepäck für die Arbeit separiert und sind bereit, ein letztes Mal das ROCKHARZ-Gelände für dieses Jahr zu besuchen.

Der Tag verspricht laut Bericht noch einmal heiter zu werden. In der Realität ist das Wetter aber mindestens so wechselhaft wie die Auswahl der Interpreten des Tages. Meistteils bewölkt, bricht an einigen Momenten die Sonne mit Wucht hervor. Es ist windig, aber etwas sanfter als an den Tagen zuvor. Sind die Wolken da, ist es schon fast ein wenig kalt. Und dann wäre da noch das kleine Regenintermezzo – okay, wir verstehen den Himmel. Auch wir sind traurig, dass das ROCKHARZ schon bald vorbei sein wird.

Neben Musik, Festival-Feeling und Abschiedstrauer steht auch ein kleiner Wanderausflug bevor. Wir haben noch gar nicht erwähnt, in welch einer atemberaubenden Szenerie das ROCKHARZ stattfindet. Vom Infield hat man einen astreinen Blick auf einen Ausläufer der Teufelsmauer, einer aus Sandstein bestehenden Felsformation, die sich über ca. 20 Kilometer durch den Landkreis Harz zieht.

Am Ballenstedter Flugplatz kann man direkt vom südlichen Ende des Geländes zum großen Gegenstein wandern – einer Felsformation, die in der Silhouette eines Schiffes hoch über den ROCKHARZ-Bühnen thront. Der Aufstieg ist steil, anstrengend und vielleicht keine gute Idee, wenn man ein Bier zu viel zu sich genommen hat. Ist man aber erst oben angekommen, bekommt man einen wundervollen Blick über das riesige Gelände des Festivals und abgesehen davon einen echt weiten Ausblick über die Schönheit des Harzes.

Die Besucher, die es nach oben geschafft haben, bringen übrigens auch eine gute Feierlaune mit. Umgangssprachlich ausgedrückt, geht dort oben eine krasse Party ab. Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht, den Festivalbesuchern/Wanderwütigen beim Feiern und Tanzen in über 240 Höhenmetern zuzuschauen.

Ein letztes Mal für 2026 werden wir uns nun den Bands widmen, die dem ROCKHARZ seinen Sound geben. Der Sonntag hat noch das ein oder andere Highlight in petto, wobei dieser Fakt auch immer ein wenig im Auge des Betrachters liegt. Wollt ihr wissen, was wir uns am letzten Festivaltag noch angeschaut haben?

Pinhead

Die ersten Momente, die wir von der Rock Stage vernehmen, lassen uns ein wenig an Slipknot denken, vielleicht etwas moderner untermalt. Pinhead ist eine deutsche Metalcore Band aus Hannover, die mit starken Einflüssen von Industrial ihr metallisches Grundgerüst verfeinert. Die Formation selbst beschreibt ihre Musik als Post Gothic Industrial Metalcore.

Die Musik ist melancholisch, hart und überzeugt mit den dezenten Industrial-Elementen, welche aber vorwiegend in einem modernen Sound verwoben sind. Neben elektronischen Vibes fällt bei einem uns namentlich leider nicht bekannten Song das live gespielte Cello auf – vom Band ist schon cool, aber live gespielt entfaltet das große Streichinstrument noch einmal einen ganz anderen, einfach natürlicheren Klang. Den besten Song, den wir beim Pinhead Auftritt hören, haben wir dank seines einprägsamen Elektro-Intros und Mittelteils schnell ermittelt: Er heißt schlicht „I I I”.

Den Auftritt beschreibt der Sänger übrigens liebevoll als Metal Yoga – sicherlich etwas, dass am letzten Festivaltag notwendig ist, um richtig in Gang zu kommen. An Sympathie mangelt es von der Bühne herab ohnehin nicht. Die Jungs sind sehr dankbar, auf dem ROCKHARZ 2026 ihren ersten Festivalauftritt überhaupt erleben zu dürfen, denn lange sind sie noch nicht im Business.

Drone

Mögt ihr Machine Head? Dann sind Drone vielleicht ein ganz guter Geheimtipp für euch. Die Band ist zwar bereits seit über 20 Jahren in der Musikszene unterwegs, hat bisher aber die großen Slots auf den Festivalbühnen Europas nicht erreicht. Schade eigentlich, denn die Musik steht dem offensichtlichen musikalischen Vorbild in nichts nach. Die Band aus Celle in Niedersachsen hat seit 2004 zwar erst vier Studioalben (das letzte davon 2014) und diverse standalone Singles veröffentlicht, ist ihrer soundtechnischen Grundstruktur dabei aber stets treu geblieben.

Long story short: Drone machen einen sehr Machine Head ähnlichen Mix aus Groove Metal und Thrash Metal, hauen mindestens genauso gut in die Instrumente und bringen viel Power auf die Bühne. Wie beim Auftritt von Pinhead zuvor ist die Menge zwar noch relativ klein und auch noch ein wenig von den vergangenen drei Festivaltagen eingerostet, lässt sich schließlich aber doch zu einem kleinen Circle Pit überzeugen – quasi der zweite Step des Metal Yogas.

Necrotted

Death Metal Fans versammeln sich rege vor der Dark Stage. Die süddeutsche Band Necrotted ist bereit, die Bühne auseinanderzunehmen. Die Songs sind eingängig, aber stets recht hart – absolutes Wall-of-Death-Feeling und eines gewaltigen Moshpits würdig. Die Band um Sänger Fabian Fink, der zwar seit Beginn 2008 dabei ist, das Mikrofon aber erst 2013 übernommen hat, verleiht den Songs mit seinen Vocals das nötige Etwas, um die inzwischen gewachsene Menge vor den ROCKHARZ-Zwillingsbühnen zu überzeugen – es regnet Applaus.

Einen absoluten WTF-Moment gibt es, als mitten im Set zwischen den brachial harten Songs das Titellied der „Sendung mit der Maus” als Einspieler eingeblendet wird. Damit hat wirklich niemand gerechnet! Aber für lächelnde Gesichter und sicherlich den ein oder anderen Ohrwurm hat es wohl gesorgt. Unser Songhighlight abseits des bekannten Einspielers ist übrigens das etwa drei Jahre alte Lied „Imperator”.

Tungsten

Hoch aus dem Norden, aus Schweden kommen Tungsten. Es ist die Family-Band des ehemaligen Hammerfall Drummers Anders Johannson, die er gemeinsam mit seinen beiden Söhnen Nick und Karl gegründet hat. Vollendet wurde die Power Metal Formation mit Sänger Mike Andersson, der den Songs das gewisse Etwas verleiht. Tungsten heben sich im Genre dadurch ab, dass sie sehr catchy sind und neben klassischen Power Metal Elementen ihre Songs auch mit elektronisch inspirierten Beats und sogar mit Breakdowns wie im Metalcore kombinieren.

Diese wilde Mischung funktioniert auf dem Album schon einmal gut – doch wie sieht es live aus? Okay, die Antwort ist kurz: Es funktioniert wunderbar! Tungsten sind zum ersten Mal auf dem ROCKHARZ und haben Songs von bisher fünf Studioalben, die sei seit der Gründung 2016 aufgenommen haben, mitgebracht. Die Highlights des Sets sind die Songs „Lullaby” (2024) und „The Fairies Dance” (2019) – einer der ersten Songs der Band überhaupt.

Die interessante Mischung aus verschiedenen Stilen kommt unterdessen beim Publikum gut an. Es wird gefeiert, geheadbangt und gemosht. Der ein oder andere Fan wird sich in kurzfristiger Zukunft über ein wenig Screentime im nächsten Musikvideo freuen. Denn ein uns namentlich leider nicht bekannter Song, der bald ein Video bekommen soll, wird für eben jenes mitgefilmt. Das Publikum jedenfalls soll für den Song eine Extraladung Party machen und lauthals „Supernova” schreien – und kommt dieser Bitte nach.

Annisokay

Es hat etwas Ironisches, wenn der Himmel vor dem Auftritt von Annisokay anfängt zu weinen. Das weiß auch Sänger Christoph Wieczorek, der spaßeshalber während des Auftritts der Metalcore Band aus Halle (Saale) klarstellt: „Der Regen gehört mit zur Show für die düstere Stimmung. Den bestellen wir immer dazu”. Tatsächlich hat es nur kurz in die Show hineingeregnet – das atmosphärische, aber durchaus harte Set der Corer kann also zum Trockenschütteln genutzt werden.

Trotz der anfänglichen Nässe zieht es eine ordentliche Menge Publikum für die Bühne. Kein Wunder: Songs wie „Human”, „STFU” oder „Calamity” wollen ausgiebig gefeiert werden, auch wenn die Texte in der Regel mahnende Botschaften enthalten. Das größte Circle Pit des Sets und ein passendes Trockenrennen gibts beim Song „My Effigy”. Das Highlight ist allerdings zweifelsohne „Coma Blue” – einer der älteren Songs der Band.

Trotz Regenintermezzo und eher melancholisch gestimmter Musik verbreiten Annisokay viel Spaß auf und vor der Bühne und liefern eine super Show ab! Allerdings war uns auch vorher schon bewusst, wie gut die Band aus dem näheren Umfeld des ROCKHARZ live klingt.

Finntroll

Auch wenn die Wolken noch während Annisokays Show aufgehört haben zu weinen, wirkt das Wetter doch ein wenig instabil. Es ist vor allem überraschend kalt. Okay, warm ums Herz wird einem direkt ab dem Moment, an dem die finnische Band Finntroll mitsamt (schon süß aussehender) Trollohren an jedem Mitglied auf die Bühne kommen.  Mit dabei haben sie rhythmischen Folk Metal und viel gute Laune.

Die Publikumsinteraktion ist nicht im Vordergrund der Show. Die Menge schafft es aber auch von selbst, sich in Feierlaune zu springen und tanzen. Die Trolle aus der finnischen Hauptstadt Helsiniki wissen jedenfalls, wie man das Publikum glücklich macht – und das ist schön mit anzusehen.

Als Highlight kommen wir nicht drum herum, den wohl bekanntesten Song zu nennen: „Trollhammaren”. Der Titel ist nicht nur ein gut gealterter Folk Metal Ohrwurm, er ist eine Hymne, die jede Facette des Sounds des Sextetts in einem dreieinhalb Minuten langen Banger vereint.

Danko Jones

Ein harter Stilbruch zum vorherigen Samstagsprogramm sind die kanadischen Garage Rocker von Danko Jones. Die Band um den gleichnamigen Sänger und Bassisten Danko Jones kommt aus Toronto und bringt Lieder aus 30 Jahren Rockgeschichte mit. Den Anfang des Sets ist das 2023er Lied „Guess Who’s Back” vom Album „Electric Sounds”. Der Song ist direkt ein kleiner Arschtritt an alle Feierunwilligen und regt einfach nur zum Kopfwackeln ein.

Danko bedankt sich früh im Set dafür, dass am vierten Festivaltag noch so viel Energie vor der Bühne herrscht – das Publikum applaudiert und sorgt wiederum für gute Laune auf der Bühne. Ausgelassen rockig spielen die Kanadier Lieder wie „I Gotta Rock”, „Every Day Is Saturday Night” und „Good Time”. Letzterer beschreibt den Auftritt im Gesamten ziemlich gut mit seinem einprägsamen Refrain „I came here to fuck shit up and have a good time”.

Das Fazit zu Danko Jones ist, dass der Garage Rock, der durchaus mit einer Prise Punk und Hard Rock versehen ist, eine gute Ergänzung im Lineup des ROCKHARZ ist und auch gut angenommen wird. Es hat einfach Spaß gemacht, den Jungs zuzuschauen und -hören. Das dachte sich wohl auch ein Besucher, der in einem riesigen Stitch-Kostüm Party gemacht hat.

Doro

Die ehemalige Warlock Sängerin Doro Pesch gilt als die Queen Of Metal. Das mag daran liegen, dass sie in einer Zeit Fuß in einem Genre gefasst hat, in dem die Vocals vorwiegend männlichen Stimmen vorbehalten waren – den wilden 80ern. Das Doro trotz aller Herzlichkeit die Eier dazu hat, eine Bühne komplett zu vereinnahmen und unter Feuer zu setzen, beweist sie auf dem ROCKHARZ während ihrer 60-minütigen Stagetime.

Der Auftritt besteht aus 12 Songs – zum Großteil ehemalige Warlock Lieder. Die Nostalgie ist daher nicht nur gefühlt, sie ist real. Wir müssen an dieser Stelle einfach noch einmal erwähnen, wie herzzerreißend lieb Doro zwischen den Songs mit den Leuten redet, das Publikum lobt und sich bedankt. Ein guter Beweis, dass eine wirklich gewaltige Stimmkraft und eher rauer Gesang auch mit viel Liebe und Freundlichkeit für die Menschen vor der Bühne einhergehen kann.

Neben zahlreichen Feuereffekten – am Samstag sind die Wettergötter in dieser Hinsicht etwas freundlicher – rockt sich Doro durch Songs wie „Burning The Witches”, „Fight For Rock” oder das allseits bekannte (und sehr beliebte) „All We Are”, welches in einer extralangen Version mit viel Publikumschören zum Refrain „All we are… all we are, we are, we are all… all we need” zu einem Highlight wird. Der emotionale Höhepunkt des ganzen Tages liefert Doro mit dem Warlock Song „Für Immer” – absolutes Gänsehaut-Feeling!

Wir loben Doro für den tollen Auftritt, der uns lange in Erinnerung bleiben wird. Feuer, Metal und Emotion. Vom ersten Song „Earthshaker Rock” bis zum Closer „Metal Racer”. Vielen Dank, Doro. Wir freuen uns, dich hoffentlich bald wieder live zu erleben!

Knorkator

So wirklich kann man das Genre von Knorkator nicht beschreiben. Es ist ein bisschen Rock, ein bisschen Heavy Metal, vielleicht ein bisschen Neue Deutsche Härte. Der passendste Begriff jedoch ist zweifelsohne Fun Metal. Selbst bezeichnen sich die Berliner als „Deutschlands meiste Band der Welt” und bringen ihre teils provokanten, frotzeligen und vielleicht ein wenig satirisch gemeinten Lieder in guter Qualität auf die Bühne.

Besonders cool fürs Presseteam: Knorkator, die ihren Namen vom etwas in die Jahre gekommenen Begriff „knorke” ableiten, holen alle Fotografen auf die Bühne und stellen die Leute, die Bilder, Stories und ein Stückweit auch Werbung in die Welt tragen, ins Rampenlicht.

Insgesamt zehn Alben haben Knorkator in 32 Jahren als Band veröffentlicht. Diese Bandbreite bringen sie mit Fokus auf die beiden Alben „Das Nächste Album Aller Zeiten” (2007) und dem neusten Werk „Weltherrschaft Für Alle” (2025) am Samstagabend auf die Rock Stage. Die besten Ohrwürmer (und auch Highlights) die wir vom Auftritt mitnehmen sind zweifelsohne die beiden Songs „Alter Mann”, und weil es uns einfach doch „etwas angeht” den fast ernsten Titel „Wir Werden Alle Sterben”.

Moshpits gibt es genügend, Applaus ist stets vorhanden und recht langanhaltend, die Qualität ist hoch. Knorkator sind eine hervorragende Live-Band! Es macht einfach Spaß. Ein Manko: Eine Stunde ist echt zu kurz, nächstes Mal gerne etwas länger. Schön ist auch, dass man nicht nur während der Songs etwas zum Schmunzeln hat, sondern auch bei den Dialogen zwischen den Liedern. Ihr Set beenden Knorkator mit dem Song „Zähneputzen, Pullern Und Ab Ins Bett”. Etwas, dass sich vielleicht viele Festivalbesucher nach vier Tagen Party wünschen, aber noch nicht umsetzen wollen. Es kommen schließlich noch eine Hand voll Interpreten.

Emperor

Was ist der Vorteil davon, wenn es nur „alte” Musik gibt? Es kann auch nur „alte” Musik gespielt werden. Das bedeutet, dass der Auftritt der norwegischen Black Metal Legenden Emperor Nostalgie in seiner reinsten Form ist. Das letzte Album der Band um Sänger Vegard „Ihsahn“ Tveitan ist 2001 entstanden. Nach etwa vier Jahren Trennung im selben Jahr sind Emperor seit 2005 wieder auf den Bühnen der Welt unterwegs.

Wir freuen uns erst einmal, dass von den beiden Alben „In The Nightside Eclipse” (1994) und „Anthems To The Welkin At Dusk” (1997) die meisten Songs gespielt werden (jeweils drei). Wir finden, dass es sich bei den Werken schlichtweg um die beiden Besten der Black Metaller handelt. Besonders die beiden Lieder „I Am The Black Wizards” und „Ye Entrancemperium”, welches mit seinem Gänsehaut-verursachendem Clear-Gesangspart und einem vom Band kommenden Intro als letzter Song wahrlich Stil hat, haben es uns in der Live-Version sehr angetan.

Die Menge feiert die düstere, treibend harte Musik von Emperor und zollt gehörig Respekt vor einem der klassischsten und besten Black Metal Acts auf dem Musikmarkt. Wir finden den Auftritt eines Co-Headliners zweifelsohne für sehr würdig und haben jede Sekunde des 60 Minuten langen Sets genossen.

Feuerschwanz

Ein lachendes und ein weinendes Auge, als das ROCKHARZ sich langsam dem Ende zuneigt. Ein Headliner und der Abschluss-Act sind noch offen. Bevor die letzte Hauptband des 2026er ROCKHARZ aber die Bühne betreten darf, gibt es eine längere Danksagung der Veranstalter für die vielen Jahre, die es das Festival bereits gibt und gewachsen ist, auch ein Dank geht an den seit 30 Jahren dazugehörenden Partner metal.de.

Nun zum letzten Headliner: Feuerschwanz haben sich erst in der jüngeren Vergangenheit zu einer Band entwickelt, die ein großes Festival wie das ROCKHARZ headlinen kann. Man hört beim Wandern durch das Publikum dennoch den ein oder anderen Zweifel an dieser Eignung.

Und was machen Feuerschwanz? Brennen ab dem ersten Moment auf der Stage jeglichen Zweifel weg. Eine Vorab-Info: Von allen Performances, ist die von Feuerschwanz wortwörtlich die, die am meisten brennt, funkelt und knallt. Insgesamt 16 Songs umfasst die Setlist, die sich eher an der jüngeren (und kommerziell erfolgreicheren) Vergangenheit der Erlanger Mittelalter Rock Band orientiert. Das am meisten bespielte Album ist das neuste Werk „Knightclub” (2025) mit seinem gleichnamigen ESC-Bewerber Song, der leider last minute an Stefan Raab gescheitert ist. Vom selben Album ist eins der absoluten Highlights: Die gemeinsame Performance von Feuerschwanz und Doro zum Wikinger-orientierten Song „Valhalla”.

Was uns gefällt, ist die Show, die die achtköpfige Band inklusive Tänzerinnen auf der Bühne veranstaltet. Tanz mit Feuer, Spaß mit Requisiten und lustige Dialoge untereinander – es gibt einfach immer eine Menge Details zu sehen und zu hören. Das ist nicht nur einen großen Applaus wert, sondern wirklich eher Standing Ovations in Überlänge.

Feuerschwanz reihen sich als relativ junge Headliner in die Reihe mit Helloween, Alice Cooper und Kreator – und rocken das Ding richtig gut. Ein guter Zug vom ROCKHARZ, einer relativ jungen Band, spät am Tag, mit viel Pyro und einer grandiosen Aufmachung die Chance zu geben, ein möglichst großes Publikum von sich zu überzeugen.

Wir freuen uns übrigens auch sehr über Songs wie „Das Elfte Gebot”, den Moshpit-Song „Schubsetanz” und eben „Knightclub”, welches neben Feuer und Pyro auch ein kleines Feuerwerk über der Bühne entfacht. Dem fiesen Ohrwurm „Dragostea Din Tei”, im Original von O-Zone, nehmen wir mit einem Lächeln und ein wenig Verwunderung mit. Eine coole Sache, wenn man aus so einem Kack-Song einen Mittelalter Rock Banger machen kann.

Ein Dankeschön geht auch von der Band an die Festivalorganisation – es ist schon wirklich sehr schön, das familiäre Umfeld auf dem ROCKHARZ persönlich zu erleben. Alle passen aufeinander auf, alle respektieren sich und auch als „Neulinge” wie wir gehört man sofort zum „Club” mit dazu. Ein einfach großartiges Feeling, welches auch die Jungs und Mädels von Feuerschwanz bemerkt haben.

Ist das ROCKHARZ Familie? Unser Resümee

Anfangs unseres langen Beitrags haben wir erwähnt, dass uns aus dem Bekanntenkreis das ROCKHARZ immer als sehr warmes, familiäres Festival beschrieben wurde. Es gibt dazu nichts anderes als zu sagen, dass sie recht hatten. Wir kamen als Neulinge an, haben aber sowohl in der Presse Area als auch außerhalb davon im Infield direkt Anschluss gefunden. Es gab eigentlich kaum einen Moment, an dem wir allein waren.

Der Umgang mit uns und auch untereinander zwischen den Besuchern war außerordentlich friedlich und harmonisch. Besonders hervorzuheben ist die unglaubliche Hilfsbereitschaft, die wir miterlebt haben. Tatsächlich scheint es für Diejenigen, die noch nicht dort waren, schwer verständlich sein. Wie kann denn ein Festival mit 25.000 Besuchern so friedlich sein? Das klingt, als wäre es zu schön, um wahr zu sein – aber es stimmt.

Ob es kleine Zwists oder Streitereien gab, können wir nicht erahnen. Der gesunde Menschenverstand sagt, dass in vier Tagen Metal-Festival mit Alkohol und Feiern auch mal die ein oder andere Reiberei nicht ausgeschlossen ist. Allerdings waren diese für uns nicht sonderlich sichtbar, was insgesamt dein Eindruck vermittelt hat, dass das ROCKHARZ im Allgemeinen ein sehr friedvolles Festival ist.

Wir sind jedenfalls sehr dankbar dafür, wie warm und herzlich wir als „Neue” empfangen wurden. Es gab keinen Zeitpunkt, an dem wir uns unbehaglich gefühlt haben oder eine Situation kritisch beäugen mussten – und das ist ein Fakt, der wirklich positiv hängen geblieben ist.

Das Thema Inklusion wird auf dem ROCKHARZ großgeschrieben

Bevor wir den Beitrag abschließen, wenden wir uns noch dem Thema Inklusion zu. Den ROCKHARZ-Veranstaltern ist es wichtig, dass das Festival vielfältig und für ALLE ein positives Erlebnis ist. Somit wird viel Arbeit in die Zugänglichkeit und den Umgang mit Inklusion, als für Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen investiert.

Wir gehen so weit zu sagen, bisher noch kein Festival oder Event gesehen zu haben, bei dem so viele Menschen mit Rollstuhl, Rollator und Co. unterwegs waren. Es gibt Rampen, Tribünen und viele Helfer, die Menschen mit Einschränkungen den Aufenthalt auf dem Gelände sehr angenehm machen. Das Projekt dahinter hört auf den Namen „Kultur für alle” und steht dafür, Barrieren aufzulösen und jedem Metal-Fan einen sicheren und selbstbestimmten Festivalbesuch zu ermöglichen. Das gilt nicht nur auf dem Infield, sondern auch beim Camping. Ein speziell ausgestattetes Inklusionscamp sorgt dafür, dass Menschen mit Einschränkungen geräumig und bequem mit ihren Begleitpersonen campen können.

Wir sind im Abschnitt davor bereits auf das stets wohlige Gefühl eingegangen, dass man durch tausende Besucher hinweg verspürt hat. Dieser Fakt in Kombination mit dem hervorragend umgesetzten Konzept für Menschen mit Einschränkungen, von denen übrigens eine Vielzahl beim Festival vor Ort war und zu guter Musik mitfeiern konnte, machen das ROCKHARZ in seiner Weise zum vielfältigsten Festival, das wir bisher besuchen durften.

Danksagung und Zukunftsausblick

Nach dem ROCKHARZ ist vor dem ROCKHARZ. So sind bereits viele Acts für die 2027er Ausgabe des Festivals bekannt: Arch Enemy, Alestorm, Accept, Bruce Dickinson, Eisbrecher, Equilibrium, H-Blockx, Korpiklaani, Lord Of The Lost, Skald, The Sisters Of Mercy und viele mehr werden 2027 den Ballenstedter Flugplatz rocken. Wenn das kein Grund zur Vorfreude ist, wissen wir auch nicht weiter!

In diesem Sinne sagen wir „Danke” an die ROCKHARZ-Veranstalter, dass wir 2026 ein Teil eures großartigen Festivals sein durften. Wir hoffen natürlich, 2027 wieder kommen zu dürfen.

Dank geht auch an die vielen alten Bekannten, die wir auf dem Festival getroffen haben – zum Beispiel Martin, Joe und Elke. Es war uns eine Freude, ein wenig Quality Time mit euch zu verbringen.

Auch an die wirklich zahlreichen anderen tollen Menschen, die uns auf den vier Tagen ROCKHARZ zeitweise begleitet haben, sagen wir ein „Dankeschön”. Es war uns eine Freude, mit euch über Musik, Hobbys und einfach den Festival-Alltag zu reden.

„Danke” an all die lieben Menschen in der Presse-Area. Es ist jedes Mal ein besonderes Gefühl, im Pressezelt zu arbeiten, zu fachsimpeln und so einige Tipps und Tricks auszutauschen.

Einen großen Dank an die Möto-Crew, die uns im VIP- / Pressebereich hervorragend kulinarisch versorgt hat – und natürlich auch an all die anderen netten Menschen an den Buden im Infield. Ihr macht einen tollen Job! Das gilt natürlich ebenfalls für all die Menschen, die für die Logistik hinter der Bühne und für die ganzen Stände sorgen. Ohne euch wäre der reibungslose Ablauf nicht möglich.

Vielen lieben Dank an unsere Gastgeber vom Ferienhaus an der Eine, die uns in Stangerode eine geräumige, sehr saubere und gut ausgestattete Ferienwohnung für einen günstigen Preis übergeben haben. Der Aufenthalt war sehr schön und wir haben ja schon ausgemacht, dass wir ggf. im kommenden Jahr wieder zu euch kommen werden.

Danke an alle netten Festivalbesucher; Danke an die Musiker und Bands, ohne die es still gewesen wäre; Danke ROCKHARZ – wir sehen uns (hoffentlich) 2027 wieder zum Familientreffen.

Copyright

Alle Bilder unterliegen dem Copyright. Alle weitere Nutzung und Bearbeitung muss mit Paul Schaedel/Schaedel Medien abgesprochen werden.

Reviewer und Liebhaber jeder Art von Rock & Metal - Lieblingsgenres: Nu Metal, Metalcore, Sympho- und Power Metal

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