Nähkästchengeplauder mit KAVA CONSPIRACY

Nähkästchengeplauder mit KAVA CONSPIRACY

Über die Tour-Konstellation des Frühlings hatten wir euch schon informiert – und klar, ihr habt euch rechtzeitig um die Karten gekümmert. 😉

Hintergrundgeschichten über Musiker sind so spannend wie Erzählungen am Lagerfeuer. Laßt uns noch einige Scheite in die Flammen werfen und ein wenig übers Proggerkollektiv Kava Conspiracy aus dem Süden plaudern! Denn trotz ihres zarten Alters haben sie bereits eine bewegte Story erlebt. Und Künstler in Plauderlaune nehmen wir doch immer gerne mit. Ein Interview hatten wir hier bereits veröffentlicht.

Wie kamen sie überhaupt zusammen?

Lang ist’s her – weiland im Jahre 2012 bat eine gewisse Juliane ihren Schulfreund Tobi, eine Band zu gründen. Singen wollte sie! Tobi war bereits banderfahren, spielte er doch mit André zusammen über die Jahre in diversen Punk- und TechDeath-Bands. So weit, so gut. Den passenden Beat bekamen sie durch Marius, den Juliane aufgetrieben hatte – eigentlich waren sie jetzt komplett, aber wie in jeder guten Story läßt das Happy End einige Kapitel auf sich warten. Und klar, nach der ersten Probe stieg Juliane aus Zeitgründen aus. Dumm gelaufen, was nun?

Wie wir wissen, geschieht im Leben nichts ohne Grund. Nachdem die ersten drei Songs geschrieben waren, dachten die verbliebenen drei Mitglieder – André, Tobi und Marius – über einen zweiten Gitarristen nach. Und wieder kam Tobi ins Spiel, der in seinem Gedächtnis kramte und sich diesmal seinerseits an einen alten Schulfreund erinnerte. Richard spielte damals Jazzgitarre und war ebenfalls ein Metalfan, was so gesehen schon einmal gut paßte. Und Richard tauchte dann einfach so immer wieder bei den Proben und Jam Sessions auf. Gekauft!

Ja – etwas fehlte. Jemand. Eine Stimme!

Es folgte ein Vocal Casting, aus dem Magda als Vokalistin hervor ging. Es lag bereits jede Menge geschriebenes Material seitens der Band vor, mit dem sie überzeugen und sich so ihren Platz in der Mannschaft sichern konnte.

So kam im Jahr 2013 der erste harte Kern von Kava Conspiracy zusammen.

Bei einem Trupp von Brainfuckern – Kava Conspiracy setzen sich im realen Leben aus Wissenschaftlern und Ingenieuren zusammen -, können wir bei den Einflüssen sicherlich nicht darauf warten, Namen wie Dieter Bohlen oder DJ Ötzi zu hören. #sorrynotsorry

Nein – hier sind wir bei den eher hochkomplexen Tonknotern von Tool, Pink Floyd, Tesseract, Karnivool und Meshuggah, unlängst noch ergänzt durch Polyphia und Monolink. Und da unsere Kavas berufsbedingt leidenschaftliche Fuddeljulen sind, wird mit allem erreichbaren Zeugs experimentiert, auch um zum in den Köpfen befindlichen Sound vorzustoßen und ihn hörbar zu machen.

Wenn es bestimmte Sounds nicht am Markt gibt, erzeugt man sie eben, um dem Bandgefüge einen individuellen Klang zu verschaffen. Und so begannen Richard und Tobi, über die Jahre an ihren Soundeffekten zu tüfteln und verschiedene Spezialpedale zu entwickeln, um den Klang auf eine bestimmte Art und Weise zu verfeinern. Ein weiterer Faktor, der den typischen KC-Sound bestimmt, ist die ungewöhnliche Art der Instrumental-Arrangements, die den Bass mit ungewöhnlichen Umfängen und Taktvorgaben in den Mittelpunkt des Sounds stellt.

Anders als bei anderen Bands, gestaltet sich das Songwriting basisdemokratisch. Und zwar in einem sehr spannenden Prozedere: Die sich zumeist über Stunden hinziehenden Jam-Sessions werden aufgezeichnet und die interessanten, catchy Parts werden isoliert, analysiert, reproduziert und in neuen Rohentwürfen aufgearbeitet. So ist die Chance recht groß, daß aus einem einzelnen Gitarren-, Bass- oder Drumpart ein neuer Song entsteht. Nachdem der Instrumentalblock steht, vertieft sich Magda in die Materie und entwickelt Lyrics. Insbesondere bei dem kommenden Konzeptalbum Empathogen verleiht sie den Songs den finalen Schliff.

Der lange Zeitraum zwischen Bandgründung und dem ersten haptischen Output in Form von Entaktogen erklärt sich mitunter aus personellen Bewegungen, wo sich Bandmitglieder auch temporär auf Abwegen befanden und irgendwann doch wieder zu Kava Conspiracy stießen. 2018 waren sie stabil genug, um sich Richtung Studio zu bewegen und 2019 dann Entaktogen zu veröffentlichen.

In pandemischen und postpandemischen Zeiten, insbesondere als Act mit (noch) relativ geringer Reichweite Gigs an Land zu ziehen, ist ein mehr als undankbares Geschäft. Im Falle von Kava Conspiracy sind im mittel- bis süddeutschen Raum, der Schweiz, dem angrenzenden Elsaß bis Österreich etwa 400 Locations kontaktiert worden, von etwa 5 kamen dann doch Reaktionen. Wer einen Bewerbungsprozeß durchgemacht hat, kennt das Prozedere zur Genüge und bis zum Erbrechen und wäre zumindest um eine Antwort dankbar. Aktuell sind Veranstalter noch dabei, die endlosen Absagen, Verschiebungen und Neuansetzungen von ganzen Tourneen aus den letzten beiden Jahren auf die Reihe zu bekommen und sind selber personell dünn genug aufgestellt, um allen Anfragen genüge zu tun, dennoch ist es mehr als frustrierend, wenn du spielen möchtest, einen freien Slot witterst und nicht mal eine Reaktion bekommst. Dazu kommen bürokratische Hindernisse mit dem Papierkram und teils regional sehr stark abweichenden Covid-Regulierungen. Hü und hott, dann wieder Änderungen… kein Spaß. Aber der Mensch wächst an seinen Herausforderungen!

Immerhin haben sich jetzt die beiden Gigs mit Subterranean Masquerade ergeben. Treibende Kraft ist hier Or Shalev gewesen, der seinen Arbeitskollegen Devansh auf diese glorreiche Idee gebracht hat. Pandemiebedingt wird es in Reutlingen zum ersten leibhaftigen Aufeinandertreffen kommen, bislang haben die Bands nur auf Zoom miteinander kommuniziert. Aber wenn die Chemie online schon so gut stimmt, gibt es keinen Zweifel, daß sich die beiden Bands auch offline gut verstehen. 🙂 Es gibt bereits Pläne, weitere Konzerte miteinander zu stemmen, und auch musikalische Jointventures sind nicht ausgeschlossen.

Kava Conspiracy haben das letzte Mal am 15. März 2020 mit der multinationalen Band Hodja auf der Bühne gestanden, zwei Tage, bevor der erste Lockdown in Kraft getreten ist. Ein sehr emotionaler Moment für alle, waren sie sich doch dessen bewußt, daß dies der letzte Auftritt für längere Zeit gewesen sein könnte. Onlinesessions haben sich nicht als der Bringer herausgestellt, auch da sich Deutschland noch in der digitalen Steinzeit befindet. Wöchentliche ZoomCalls waren jedoch ein gutes Mittel, miteinander in Kontakt zu bleiben und auch die ersten Ideen fürs neue Album Empathogen zu sammeln. Kaum daß es Lockerungen bei Kontakten gab, trafen sich die Musiker im kleinen Rahmen wieder. Klar, daß die sonst so als selbstverständlich empfundenen Momente wie Begegnungen und Jamsessions zu Kostbarkeiten geworden sind und diese umso intensiver gewertschätzt werden. Trotz aller Entbehrungen wird das Positive aus dieser Zeit mitgenommen, nämlich auch, als Gemeinschaft gewachsen zu sein.

Freuen wir uns also auf die beiden Gigs am 22. April in Reutlingen und am 23. April in Waldbronn bei Karlsruhe!

Als Supporter in Waldbronn sind Lost Vain frisch an Bord.

Am 24. April könnt ihr Kava Conspiracy in Ulm bei einem Ukraine-Benefiz-Konzert erleben.

Tickets für die Konzerte gibt es hier (Für den 22.4.22 im Franz.K in Reutlingen) und unter dieser Adresse. Das Konzert am 24.4.22 im Beteigeuze in Ulm (Tickets und Info hier) ist ein Benefizkonzert gegen den Krieg in der Ukraine.

Das aktuelle Line-Up besteht aus

  • Magda (voc)
  • André (git)
  • Richard (git)
  • Tobi (bass)
  • Devansh (dr)

Kava Conspiracy findet ihr auf Facebook, auf Bandcamp und auf YouTube.

Hey! Ich bin hier zuständig für Bild und Text, sprich schicke Konzertfotos und auch Artikel und Rezensionen. Musikalisch bin ich breit aufgestellt, mag Blues und Metal, aber auch Prog und Indie und vieles mehr. Derzeitiger Focus liegt auf der Szene Israels. Kontakt: Bumblebee@skullnews.de

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