Kava Conspiracy, Subterranean Masquerade und Co. live im Ländle

Kava Conspiracy, Subterranean Masquerade und Co. live im Ländle

…und dann waren sie da, die beiden Tage im April, an denen wir Kava Conspiracy und Subterranean Masquerade bei ihren beiden Konzerten in Reutlingen und Waldbronn bei Karlsruhe begleiten durften. Mehrfach hatten wir über die Mini-Tour berichtet und euch auch Kava Conspiracy näher gebracht. Für die Progressive Metal Gruppe Kava Conspiracy waren es die ersten Auftritte vor Publikum seit dem ersten Lockdown vor zwei Jahren, ihre Gäste aus Israel konnten sich im dort herrschenden “Zurück zur Normalität” schon reichlich warm spielen, hatten aber seit ihrer Frühjahrstour 2019 als einer der Supporting Acts für Orphaned Land keinen deutschen Boden mehr betreten. Dies änderte sich nun für nicht einmal 48 Stunden, als sie am frühen Nachmittag des 22. April in Stuttgart einschwebten und sich sodann auf das eine gute Stunde südlich der Landeshauptstadt gelegene Reutlingen aufmachten. Viel Zeit zum Verschnaufen und Beschnuppern blieb nicht vorm Soundcheck – aber da online die Chemie schon stimmte, konnte offline nicht mehr viel schiefgehen.

Das am Rande der City gelegene, ehemalige französische Kino ist in das gemütliche Kulturzentrum Franz.K verwandelt worden. Und neben schönen Verweilecken, einer Minibühne und einer Bar gehört auch noch ein großzügiger Veranstaltungsraum zum Interieur.

Mit den beiden lokalen Supporting Acts The County Boys (für Reutlingen) und Lost Vain (für Waldbronn) haben sich Kava Conspiracy für ein amtliches Kontrastprogramm zum Experimental Prog entschieden.

The County Boys bildeten mit ihrem mitreißenden Honky Tonk Country Rock das gut halbstündige Auftaktbollwerk für Reutlingen, und wie fett drei Jungs mit teils langen Bärten und minimalistisch instrumentiert klingen können, kennen wir ja schon bestens von ZZ Top. Vor allem im süddeutschen Raum sind die Jungs fleißig unterwegs und haben eine eingeschworene Fangemeinde. Sehr verständlich!

The County Boys bei Facebook und auf ihrer Website

Einen sehr langen Anreisetag hatten Subterranean Masquerade bereits in den Knochen stecken, als sie die Bühne betraten – und die erste deutsche Location nach drei Jahren geriet gleich nochmal so heimelig mit dem Wissen um viele vertraute Gesichter vor der Bühne, um nicht ein völlig neues Publikum erobern zu müssen. Viele Fans waren bereits beim damaligen Gig in Ludwigsburg dabei und hielten der Band seitdem die Treue und via Social Media Kontakt. Und klar, daß es im Umfeld des hiesigen Auftritts zu einem großen Hallo kam – we are one, sozusagen. Und wir gaben uns alle Mühe, daß sich die Gäste wie daheim fühlen konnten.

Ob Subterranean Masquerade nun 5, 50, 500 oder 5000 Leute vor sich haben, spielt bei ihrer exzessiven Spielfreude und Professionalität keine Rolle, sie geben immer alles. So auch bei ihrem ersten Antritt, ihr zu jenem Zeitpunkt bereits knapp ein Jahr altes Monsteralbum Mountain Fever in Deutschland vorzustellen. Endlich konnten wir Mitteleuropäer zu den groovy Hits “Mountain Fever” und “Snake Charmer” abtanzen, während das eigentliche Jom Kippur Gebet “Ya Shema Evyonecha” diesmal den Göttern und Göttinnen der gesegneten Verdauung gewidmet wurde … Man muss dabei gewesen sein, um zu verstehen. Und wie gewohnt, gab es Gruppenkuscheln, entfesselte Aktionen auf und jenseits der Bühne und launige Ansagen. Leider gab es diesmal keinen Lokalkolorit zu den bei der letzten Tour bemühten Kugelschreibern, Schweigefüchsen und Krankenwagen, hätten wir doch gerne etwas zu Herrgottsbscheißerle und Kehrwoch erfahren. Aber vielleicht auf der nächsten Tour?

Die zweite Location in Waldbronn, knapp außerhalb von Karlsruhe-Ettlingen gelegen, jedoch mit öffentlichen Verkehrsmitteln vor der Tür an die Region angebunden, bot mit seiner alten Industrieanlage ein wesentlich urigeres Ambiente und reichlich Botanik drumherum, was nicht nur den Geist beruhigt, wenn man sich partiell das gastronomische Angebot aus der Gegend wieder durch den Kopf gehen läßt, sondern auch ausreichend Platz zum Toben und Spielen bietet – und was auch beim Auftritt wieder weidlich ausgenutzt worden ist. Bühne in sehr überschaubarer Größe? Macht doch nichts, nehmen wir einfach den Zuschauerraum und die Theke mit dazu. Und holen die Zuschauer auf die Bühne. Sänger Vidi rief begeistert, dass es aufregend war, mal wieder richtig untergrundig zu performen – in Israel spielen Subterranean Masquerade schließlich mittlerweile als Headliner auf großen Festivalbühnen und haben aufwendige Bühnenaufbauten inklusive Pyrotechnik. Wir bekamen auch den bislang unveröffentlichten, neuen Song “Monuments” zu hören – der macht wirklich Lust auf mehr! Geht mehr in die Alternative Rock Richtung, punkig gewürzt, kam auf jeden Fall gut an. Gänsehaut machte uns das orientalische Cover von Metallica‘s Superhit “Wherever I May Roam”, welches das kleine, aber enthusiastische Publikum lautstark mitsang. Und wie schon vor drei Jahren, als es noch eine Sneakpeak auf’s kommende Album war, riss auch diesmal wieder der Hit “Ascend” zum Schmettern hin.

Nach zwei Tagen läßt sich wirklich sagen – es war kurz aber heftig.

Subterranean Masquerade bei Facebook, auf ihrer Website und bei Bandcamp

Den zweiten Abend eröffneten Lost Vain und bliesen uns mit ihrem Metalcore den letzten Rest Schlaf aus den Augen – und vielmehr, den Ohren. Denn mit Lost Vain fing der Abend laut an.

Lost Vain ergänzten überraschend das Programm und trotzdem waren einige Leute extra für die Jungs aus Karlsruhe gekommen. Zu Recht! Denn Lost Vain bringen frischen, modernen Metalcore auf die Bühne, bei dem man die Vorbilder Tool und Jinjer raushört, dennoch ordentlich bretthart und crunchy. Die verspielten Basslines und Rhythmuswechsel bringen Lost Vain live genauso prägnant rüber wie auf ihren Studio-Aufnahmen. Insgesamt wirkt die Band sehr auf einander eingespielt, obwohl sie erst seit 2019 in dieser Formation unter dem Namen Lost Vain Musik machen. Auf der Bühne merkt man, dass sie eine gemeinsame Vision von ihrer Musik haben. Ein bisschen fehlte uns in der Performance die Kontaktaufnahme zum Publikum, vielleicht waren sie auch einfach nur zu vertieft in ihre kompositorisch anspruchsvollen Songs. Wovon “Silhouette” und “Waves Within” als besonders abwechslungsreich und spannungsgeladen rüber kommen und die Kreativität des Quintetts zur Schau stellen. Beide Songs, und auch “To The Sun”, das ebenfalls auf der Setlist des Abends stand, könnt ihr auf der EP Separations finden, die 2021 herausgebracht wurde, aber auch ältere und neue Lieder waren dabei. Lost Vain haben den kurzen Auftritt gut genutzt, um sich dem neuen Publikum bekannt zu machen. Wir können sicher in Zukunft Größeres von den Jungs erwarten.

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Kava Conspiracy teilten sich den Posten des Double Headliners brüder- und schwesterlich mit ihrem Besuch und tauschten am zweiten Tag den Startplatz. Heimspiel in Reutlingen bei ihrem ersten Auftritt seit zwei Jahren, und beste Unterhaltung bei ihrem tighten, experimentellen Progmetal mit hohem Wiedererkennungswert. Kava Conspiracy stellten sich schnell auch musikalisch als ideale Partner für Subterranean Masquerade heraus, denn sie lassen gerne orientalische Melodiebögen und Rhythmen in ihren verschlungenen Sound einfließen, wovon “Fallen Angels” ein absoluter Liebling ist, eingängig und doch überraschend. Auch widmen sie ihr Lied “Al Waha” den Frauen in Palästina, die zwischen Kriegshandlungen und aggressiver Siedlungspolitik versuchen, ihr Leben selbstbestimmt zu leben. Sängerin Magda bringt dieses schwierige Thema respektvoll und voller Demut zur Sprache – und bringt ihre Gedanken voller Emotionen im Gesang zum Ausdruck. Überhaupt beeindruckt uns Magda mit ihrer Bühnenpräsenz und ihrer variantenreichen Techniken und kraftvollen Stimme. Dass ihre Musik etwas bedeuten soll, machen Kava Conspiracy in ihren Ansprachen klar. So sind Mobbing und Selbstverl*tzung Themen ihrer Songs und sie wollen ihre Fans stark machen gegen Ausgrenzung und Hass. Eine tolle Message! Die neuen Lieder für das angekündigte Album Empathogen werden vom Publikum sehr gut aufgenommen und klingen vielversprechend. Insgesamt war der Auftritt von Kava Conspiracy intensiv und kurzweilig, sie verstehen, uns in ihre Soundlandschaften zu entführen – die live genauso präzise und stimmungsvoll wirken wie auf Platte. SKULL NEWS wird natürlich zur Stelle sein, sollte es bald einen größeren Gig von Kava Conspiracy in Mitteleuropa geben. Über ihr neues Album halten wir euch natürlich auch auf dem Laufenden!

Kava Conspiracy bei Facebook und  bei Bandcamp

Die Galerien zu Subterranean Masquerade und Kava Conspiracy fassen jeweils die Auftritte in Reutlingen und Waldbronn zusammen.

Fazit nach zwei anstrengenden, aber höchst befriedigenden und spannenden Tagen: Auch wenn angesichts des durchgetakteten Programms naturgemäß zu wenig Zeit geblieben ist, sind sich hier doch Brüder und Schwestern im Geiste begegnet, die auch zukünftig einiges zusammen auf die Beine stellen wollen. Uns als Zuschauer*innen kann es nur recht sein!

Für uns von SKULL NEWS war es auch das erste Konzert im Soundcheck One in Waldbronn und wir waren begeistert von der guten Soundqualität im Schuppen, von der Herzlichkeit der Gastgeber, die Beselt-Brüder von Sons Of Sounds, die urige Atmosphäre, das gute Bier an der Bar und das aufgeschlossene Publikum. Der perfekte Rahmen auch für unser erstes persönliches Treffen als SKULL NEWS Dream-Team, Sabine (Fotos, Bericht) und Jasmin (Interview und Bericht)!

Müde aber glücklich: Kava Conspiracy und Subterranean Masquerade nach dem Grande Finale in Waldbronn. Schön wars!

Hey! Ich bin hier zuständig für Bild und Text, sprich schicke Konzertfotos und auch Artikel und Rezensionen. Musikalisch bin ich breit aufgestellt, mag Blues und Metal, aber auch Prog und Indie und vieles mehr. Derzeitiger Focus liegt auf der Szene Israels. Kontakt: Bumblebee@skullnews.de

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