Über Rauschpfeffer und musikalische Potpourris – Interview mit KAVA CONSPIRACY

Über Rauschpfeffer und musikalische Potpourris – Interview mit KAVA CONSPIRACY

Psychedelischen, progressiven Rock / Metal aus Reutlingen bringen uns Kava Conspiracy! Die 2013 gegründete Band mit stimmgewaltiger Frontfrau zeichnet ein experimenteller, genreübergreifender, und dennoch wiedererkennbarer Sound aus. Dabei bleiben Kava Conspiracy immer zugänglich und laden in ihren spannungsgeladenen Songs ein, sich voll und ganz in die Musik fallen und mittreiben zu lassen. Nun stehen endlich, nach langer Coronapause, Konzerte an, und so könnt ihr euch auch mal live auf den Trip einlassen. SKULL NEWS hat sich mit Bassist Tobi und Sängerin Magda von Kava Conspiracy online getroffen und über die kommenden Konzerte im Schwabenland (SKULL NEWS berichtete hier) und ihren musikalischen Werdegang gesprochen. Für zwei Termine, den 22. April im Franz.K in Reutlingen, und am 23. April im Soundcheck One in Waldbronn, spielen Kava Conspiracy als Support der Rising Stars aus Israel, Subterranean Masquerade. Am 24. April stehen sie vor Skilltron im Beteigeuze in Ulm auf der Bühne. Erfahrt in unserem Interview mehr über die Innovateure aus dem Ländle!

Jasmin: Ich freue mich, heute mit Tobi und Magda von Kava Conspiracy zu sprechen! Hallo!

Tobi und Magda: Hallo!

Jasmin: Für die Leute, die euch noch nicht kennen, erzählt doch mal, wer ihr so seid. Was macht Kava Conspiracy aus?

Tobi: Wir sind aus Reutlingen, in der Nähe von Stuttgart. Wir machen Female fronted prog Rock beziehungsweise Metal, irgendwo da dazwischen! Es ist schwer zu sagen, ob es mehr Metal oder mehr Rock ist, weil es von Anfang an unsere Maxime war, dass wir nicht wie jemand anderes klingen wollen. Deshalb ist es immer ein bisschen schwer, den Leuten zu erklären, was wir für Musik machen.

Magda: Ja, wir entwickeln uns ja auch.

Tobi: Ich sag immer, schaut und hört es euch selber an. Überzeugt euch!

Jasmin: Zum Beispiel bei euren Konzerten am 22. April im Franz.K in Reutlingen und am 23. April im Soundcheck One in Waldbronn. Dazu nachher mehr. Natürlich ist es schwer, sich bei der großen Vielfalt gerade im Bereich Rock und Metal herauszustechen. Ich finde, dass gerade Kava Conspiracy einen eigenen Sound macht. Da fällt natürlich vor allem Magda’s Gesang auf. Magda, du hast echt einiges an unterschiedlichen Gesangsstilen und Sounds drauf.

Magda: Haha, danke.

Sängerin Magda (Foto von photodesign kluz)

Jasmin: Hast du dir diese variantenreichen Gesangsstile selber beigebracht, oder hattest du Training, Vorbilder?

Magda: Wie jeder vielleicht mal angefangen hat. Zuerst im Kinderchor, dann Kirchenchor. Ich habe auch klassischen Gesangsunterricht genommen und war in allen möglichen Schul- und Musikschulbands. Ich habe immer schon viel gemacht. Aber gerade das Gutturale und Shouten, das hat eine weile gedauert. Da habe ich erst einmal die Jungs gefragt, wie macht ihr das denn so. Die ersten Versuche waren wirklich mies und ich habe eine Woche lang eine heisere Stimme gehabt. Aber nach und nach mit viel Übung und viel Bier trinken ging es dann. Ja wirklich, das hilft, denn je verkrampfter man ist, desto schlechter ist es für die Stimme.

Jasmin: Nee, also deine Stimme ist ja sehr facettenreich und stark! Krass, dass du den Willen hattest, das durchzuziehen, besonders wenn es am Anfang weh tut, die gutturalen Techniken und das Shouten zu lernen. Wer waren für diese Gesangsstile für dich deine Vorbilder?

Magda: Meine Vorbilder waren eigentlich immer männliche Sänger, wie Slipknot, Sepultura, Soulfly, Serj Tankian von System Of A Down war immer mein Gesangsvorbild. Bei den Frauen… hmm, also Sandra Nasić von Guano Apes fand ich immer cool. Allerdings hat sie eher eine rotzige Stimme, weniger guttural. Eigentlich gab es früher gar nicht so viele weibliche Vorbilder.

Jasmin: Würdest du sagen, du hattest einen gewissen Druck, dich dann an diese männlichen Vorbilder anzunähern?

Magda: Da hatte ich auf jeden Fall Druck am Anfang. Ich habe bei mehreren Bands vorgesungen und konnte noch nicht so gut shouten und growlen. Da wurde ich zum Teil ausgelacht. Frag mal den Tobi! Als ich da neu dazukam, da saß das gutturale Singen noch nicht so wirklich. Unser Schlagzeuger hat gemeint, meine Stimme klingt wie Hundegebell. Wie ein kleiner Köter, der einen am Gartenzaun anbellt. Ich musste lange üben, um die Luft lange zu halten. Zum Glück hatten die Jungs Geduld mit mir und ich bin immer besser geworden. Ein jahrelanger Prozess, vor allem, weil es damals keinen Gesangsunterricht in diesem Bereich gab. Es gab klassischen Gesangsunterricht, Musical, Popgesang aber im Bereich Metal gab es da nichts.

Jasmin: Mit deinem Hintergrund, Magda, wie bist du denn überhaupt mit Metal und Rock in Kontakt gekommen? Was waren die Bands, oder die Momente, wo du dir gedacht hast, das will ich auch machen?

Magda: Ich war früher bei den Pfadfindern und auch mein Bruder war bei den Pfadfindern und durch die Jungs da bin ich zu Metal gekommen. Ich muss sagen, dass Sepultura mich als erstes angefixt haben, Slipknot und Cannibal Corpse fand ich sehr beeindruckend. Und dann ging es mir schnell so, umso schneller, umso härter, umso besser. Durch die älteren Jungs kam ich dann auch auf Konzerte. Und ich war auch viel im Punk unterwegs, auf Konzerten, die nur drei Euro gekostet haben oder kostenlos war. Wenn man kein Geld hatte, dann war mal halt viel mit Punks unterwegs.

Entaktogen, aktuelles Album von Kava Conspiracy

Jasmin: Ich habe mal vorhin auf eurer Bandcamp Seite rumgeguckt und da kann man auch euer letztes Album Entaktogen gegen einen Obolus runterladen. In physischer Kopie gibt es das nicht mehr oder?

Tobi: Es gibt noch ein paar Exemplare als physische Kopie!

Jasmin: Euer Album Entaktogen habt ihr 2019 veröffentlicht. Ist bei euch aktuell was Neues in der Mache? Wie sieht es denn für die kommenden Konzerte aus, spielt ihr da eher die älteren Songs, oder habt ihr schon neue Songs dabei?

Tobi: Halb und halb! Unser voriges Album Entaktogen von 2019 beschäftigt sich mit weltpolitischen Themen und das kam noch vor den ganzen Lockdowns raus. Deshalb gibt es noch einige physische Kopien. Auf unserer Mini-Tour spielen wir ein Set zur Hälfte aus alten Songs und zur anderen Hälfte aus neuen Songs. Und ansonsten waren wir während der Lockdowns fleißig und haben an unserem neuen Album Empathogen gearbeitet. Das wird ein Konzeptalbum.

Jasmin: Wird es da eine konzeptuelle Entwicklung geben, von Entaktogen zu Empathogen?

Tobi: Das klingt jetzt sicher wie eine abgedroschene Phrase, aber wir haben uns seitdem weiterentwickelt, vor allem wollten wir schon lange ein Konzeptalbum schreiben. Dafür haben wir uns jetzt Zeit genommen und es gut durchkonzipiert. Das wird kein klassisches Album sein, denn es werden verschiedene Musikrichtungen enthalten sein. Was wir bisher an Rückmeldungen bekommen haben, da haben aber alle immer gesagt, dass es klassische Kava Conspiracy Songs sind, man hört, dass es wir sind. Aber es geht halt von Pop, über Electro zu Metal. Auf unsere besondere Weise miteinander verstrickt.

Jasmin: Und worum wird es thematisch im neuen Album gehen?

Tobi: Beim alten Album Entaktogen haben wir nach außen geschaut, jetzt geht es um eine Reflexion nach innen. Wir stellen uns die Frage, ob wir wirklich, um Neues zu schaffen, mit alten Dingen brechen müssen. Bei Kava Conspiracy wird es philosophisch! Das wird musikalisch und auch in den Lyrics aus verschiedenen Standpunkten beleuchtet. Die Idee war, ausgehend von der Allegorie der Jahreszeiten, über die Gefühle, die durch diese ausgelöst werden, umzusetzen. Im Frühling sprießt alles, im Herbst verrottet alles, es ist aber ein Kreislauf. Was macht das mit uns?

Magda: Die Emotionen verändern sich ja zusammen mit den Jahreszeiten.

Jasmin: Da bin ich sehr gespannt, wie ihr das in den neuen Liedern ausdrücken werdet! Auf dem vorigen Album habt ihr einige Songs auf Deutsch, andere auf Englisch. Wie wird das auf dem nächsten Album sein?

Magda: Das halten wir uns noch relativ offen.

Jasmin: Wie fühlst du dich als Sängerin wohler, wenn du auf Deutsch oder wenn du auf Englisch singst?

Magda: Ich finde, dass Englisch meistens irgendwie gesungen schöner klingt. Deutsch ist ja eher eine harte Sprache und ich kann mich eigentlich auf Deutsch besser ausdrücken, finde aber Englisch gesungen schöner. Deshalb werden wir uns nie festlegen, in welcher Sprache wir ausschließlich weitermachen. Es kann uns da ja niemand was aufzwingen. Ich gehe das immer so an: Wenn die Jungs mir ihre neuen Lieder vorspielen, dann schließe ich die Augen und stelle mir die Bilder dazu vor. Danach überlege ich mir, über welches Thema ich sprechen will. Je nachdem, wie ich mich fühle, dann schreibe ich die Lyrics. Meistens wird es ein Lied auf Englisch.

Tobi: Ich erinnere mich an die Vorbereitungen auf die Studioaufnahmen für Entaktogen. Wir haben uns genau diese Frage gestellt, ob wir uns für eine der beiden Sprachen entscheiden wollen. Dann hat Magda die deutschen Lieder auf Englisch übersetzt. Wir haben uns dann die Probeaufnahmen angehört und uns war klar, nein, die sind genau richtig wie sie sind. Die Übersetzung hat irgendwo nicht so funktioniert.

Jasmin: Thema Internationalität. Wie ist denn überhaupt diese Kombination aus Kava Conspiracy und Subterranean Masquerade für die kommenden Konzerte zusammengekommen?

Tobi: Bei Subterranean Masquerade ist ja der Or Shalev an der Gitarre und der ist aktuell für seinen PhD in Tübingen, wo unser neuer Schlagzeuger quasi mit in derselben Arbeitsgruppe ist! Or hatte sich damals bei uns beworben, das war kurz nachdem wir das Album Entaktogen veröffentlicht hatten. Da war er Feuer und Flamme und meinte, er hätte auch eine Band und dass wir unbedingt mal was zusammen machen sollten. So ist das entstanden!

Jasmin: Die akademische Welt ist klein! Habt ihr mal Subterranean Masquerade live gesehen?

Tobi: Nein noch nicht. Wir haben mit Vidi und Or vor allem über Zoom gesprochen, um die Konzerte vorzubereiten. Wegen Corona haben wir uns noch nicht persönlich treffen können. Wir hoffen, dass wir uns in zwei Wochen endlich sehen und vor allem die Bühnenperformance der anderen live sehen können!

Jasmin: Apropos, habt ihr eigentlich meine Deko im Hintergrund gesehen?

Vidi von Subterranean Masquerade (Foto von Sabine, SKULL NEWS, bzw, BumbleBee Photography)

Tobi: Das ist ja der Vidi [von Subterranean Masquerade, Anmerkung der Redaktion]!

Jasmin: Ja, genau! Das ist ein tolles Foto von Vidi von Subterranean Masquerade. Das Foto hat unsere Fotografin Sabine geschossen. Sie ist für Konzertberichte und Reviews zuständig und macht echt tolle, ikonische Livefotos. Sie wird, wenn alles gut geht, beim Konzert auch dabei sein und sicher auch dynamische Fotos von euch machen.

Tobi: Ja, das wäre natürlich cool.

Bassist Tobi von Kava Conspiracy (Foto von Sergey Vetrov)

Jasmin: Wie bist du eigentlich zum Musik machen gekommen, Tobi?

Tobi: Boah, also in der Schule, da hat mich eigentlich nichts von dem interessiert, was man im Musikunterricht angeboten bekommen hat. Das Fach habe ich so schnell wie möglich abgewählt. Wahrscheinlich kam ich vor allem durch den Vater unseres Gitarristen zur Musik. Der war Berufsmusiker in den 70er Jahren in einer Krautrock-Band. Wenn man bei denen zuhause war, da standen in jedem Zimmer Instrumente herum. Das war so seine Idee, dass man immer was hatte, auf dem man rumklimpern kann. Ich fand das cool und kam so in die Musik rein. Bands, die mich inspiriert haben, das waren eher viele. Für den Sound unserer Band, Kava Conspiracy, waren Tool mit am prägendsten. Justin Chancellor [Bassist, u.A. bei Tool und Peach, Anmerkung der Redaktion] ist nach wie vor für mich einer der besten Bassisten der Welt. Seine Techniken und Spielarten sind überwältigend! Aber ich habe auch Vorbilder aus vielen anderen Musikgenres. Von Victor Wooten schaue ich mir viel ab. Und das hört man auch in unserem Sound, Kava Conspiracy ist ja ein bunter Mix aus vielen Genres.

Magda: Ich denke immer an ein Potpourri.

Jasmin: Das ist ein schöner Vergleich! Was bedeutet denn euer Bandname Kava Conspiracy?

Tobi: Die Namensfindung war ein langer Prozess. Jeder fragt uns, was es denn nun bedeutet. Der Name Kava Conspiracy leitet sich von kava mystericum [auch piper methysticum, Anmerkung der Redaktion] ab, einer Art Rauschpfeffer, der im Urwald wild wächst. Die indigenen Völker machen daraus einen Tee, er ist auch Bestandteil von Ayahuasca, der in psychedelischen Ritualen benutzt wird. Diesen Bezug zum Psychedelischen, das fanden wir passend.

Jasmin: Das geht auf jeden Fall gut mit eurem Konzept! Und wir sind gespannt, wie sich euer Potpourri live anhört. Ich freue mich auf jeden Fall auf Kava Conspiracy und Subterranean Masquerade am 23. April!

Tobi und Magda: Wir freuen uns auch.

Jasmin: Dann sage ich im Namen von SKULL NEWS: Herzlichen Dank für das Interview und eure Zeit! Habt bis zum Konzert produktive Proben!

Tobi und Magda: Ja, danke dir auch! Bis bald!

Tickets für die Konzerte gibt es hier (Für den 22.4.22 im Franz.K in Reutlingen) und unter dieser Adresse. Das Konzert am 24.4.22 im Beteigeuze in Ulm (Tickets und Info hier) ist ein Benefizkonzert gegen den Krieg in der Ukraine. Kommt alle zahlreich!

Kava Conspiracy findet ihr auf Facebook, auf Bandcamp und auf YouTube.

Kava Conspiracy (Foto von Sergey Vetrov)

Hi! Ich bin Jasmin und liebe Musik, vor allem alles im Bereich Rock (Metal, Punk, Rock'n'Roll) und Folk. Von mir gibt's Reviews und Interviews (deutsch und englisch). Newcomer Bands können mich gerne für Rezensionen kontaktieren. Hi! I am Jasmin and I love music, especially rock (metal, punk, rock'n'roll) and folk. I do reviews and interview (german and english). Newcomer bands are invited to contact me for reviews!

3 thoughts on “Über Rauschpfeffer und musikalische Potpourris – Interview mit KAVA CONSPIRACY

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*